X-Wing Miniaturen-Spiel: Welle 10

Episode 10 - Eine Star Wars Geschichte

Mittlerweile ist die 10. Welle für X-Wing: Das Miniaturenspiel auf dem Markt. Sie besteht aus fünf Fliegern, die allerdings nicht zur gleichen Zeit in den Handel gekommen sind. Wobei alle Schiffe für den Turnierbetrieb ein Veröffentlichungsdatum im Februar 2017 haben. Klingt kompliziert, ist es aber garnicht…

Die Sprache des Spiels – ein persönlicher Einstieg:
Produziert von Fantasy Flight Games (FFG), auf deutsch lokalisiert vom Heidelberger Spieleverlag, setzt Star Wars X-Wing: Das Miniaturenspiel (kurz X-Wing) seine nicht für möglich gehaltene Erfolgsgeschichte fort, die vor mehr als vier Jahren im Jahre 2012 mit der Veröffentlichung eines (angenehm niedrig gepreisten) Starter Sets begonnen hat.

X-Wing deckt mittlerweile längst nicht nur die klassische Star-Wars-Film-Trilogie ab, sondern liefert auch Material aus den diversen animierten Serien und neuesten Filmen des Franchise. Das gilt insbesondere für die fünf Schiffe umfassende Welle 10.

Ich bin ein Pilot der ersten Stunde. Von Anfang an habe ich mich vom Spiel mitnehmen lassen, in eine weit, weit entfernte Galaxie. Viele schöne Stunden hat mir das Spiel schon beschert. Seinerzeit habe ich eine bewusste Entscheidung getroffen, die deutsche Version des Spiels anzufangen, damit einen sympathischen Spieleverlag zu unterstützen und in der Hoffnung, ich würde es unter Umständen am Spieltisch meiner Gelegenheits-Spielerfreunde platzieren können. Das hat auch so ganz gut funktioniert. Und trotzdem finden sich einige wenige englische Schiffe in meiner Sammlung. Meist Geschenke oder Souvenire.

Doch im Laufe der Lebensdauer des Spiels wurde klar, dass die deutsche Umsetzung von Star-Wars-Produkten einen eigenen Hintergrund hat. Von vom Lizenzgeber vorgeschriebenen Übertragungen von Namen, Kennzeichnungen und Begrifflichkeiten gibt es mehr als eine Geschichte.

So hatte das Spiel bei mir zu Anfang noch einen guten Stand, doch spätestens seit dem Erscheinen des aktualiserten Starter Sets zum Film „Das Erwachen der Macht“, und der damit einhergehenden Kennzeichnung von X-Wings als X-Flüglern, zeigte meine Verbundenheit zur deutschen Version erste Risse. Der aktualisierte Starter wies, neben diesen aufoktroyierten sprachlichen Unebenheiten, darüberhinaus auch noch eine krass fehlerhaft übersetzte Karte auf. Die Zielführung. Die Übersetzung musste, so die Legende, wohl unter besonderen Umständen, vor Ort in den Staaten bei FFG angefertigt werden. Weil durch das Spielmaterial Einblicke in den bald erscheinenden neuen Star Wars Film Das Erwachen der Macht gewährt würde. Die Heidelbären liessen die Karte tatsächlich neu drucken und verteilten diese – in schicken Star-Wars-artigen Umschlägen – an die Spielerschar. Eine gute Lösung. Kleinigkeiten wie Tippfehler oder vergleichbares machen mir da recht wenig aus. Aber eklatante Übertragungsfehler finde ich … schwer auszuhalten. Wenn dann auch noch stimmungstötende Übersetzungen vorgegeben werden, ist das keine gute Kombination.

Mit dem Erscheinen der neueren Spielsachen merkte ich langsam, dass die Sache für mich zu kippen begann. Ich verfolge parallel zu X-Wing auch noch andere Star Wars Spiele, hauptsächlich Imperial Assault (IA), aber auch Rebellion und deutlich eingeschränkt Armada. Auch da machten sich mehr und mehr Begrifflichkeiten breit, die mir nicht gefielen. Das und Fehler in der Umsetzung, sowie eine deutliche Zeitverzögerung sorgten dafür, dass ich bei IA zumindest ganz bewusst zweisprachig, aber mit Tendenz zum Original gesammelt habe. Was X-Wing angeht bringt mich aber Welle 10, bzw. der erste Teil dieser fünf Schiffe umfassenden Welle, zum Nachdenken, ob es hier nicht auch an der Zeit ist, die Reißleine zu ziehen.

Die Veröffentlichungspolitik und Qualitätsprobleme:
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Welle 10 umfasst fünf neue Schiffe, verteilt auf zwei Veröffentlichungszeitpunkte.

Zwei Schiffe erreichten (in limitierter Stückzahl) zum Kinostart der Star-War-Geschichte Rogue One noch Ende 2016 ausgewählte (Flagschiff-) Händler, während die drei anderen Schiffe der Welle bis ins Frühjahr 2017 auf sich warten liessen. Im Februar 2017 kam dann der offizielle Release der Welle 10, bei dem auch weitere Modelle der vorab ausgelieferten Rogue-One-Schiffe in die Läden kamen und diese allgemein verfügbar wurden. Ob sich die Heidelberger mit dem Prerelease einen Gefallen getan haben, bezweifele ich allerdings. Viele Händler (und damit Kunden) gingen leer aus bei der Vorab-Verkaufs-Aktion und die beiden Schiffe strotzten nur so von fehlerhaften Spielkarten und es fanden sich seltsame Fehler im Begleitheft des U-Wings. Und da geht es garnichtmal um die Tippfehler in den Flufftexten. Die gibt es natürlich auch wieder. Die haben ja aber seit den „T+estpiloten“ der A-Wings Tradition 🙂

Nein, da sind diesesmal richtige Hämmer dabei, die sich in der Größenordnung besagter Zielführung aus dem „Das Erwachen der Macht“ Starter Sets bewegen.

Während sich der Fehlerteufel im Begleitheft des U-Flüglers zwar eingeschlichen hat, dort aber eigentlich nur zu Verwunderung führte (in der Mission wird ein Pilot benannt, den es nicht gibt; die Regelerläuterung zum Stehen-Bleiben-Manöver ist ein copy&paste aus der Lambda-Shuttle-Regelheftpassage…), ist nicht nachvollziehbar, warum die Karte Störsender, eine Karte, die es bereits seit dem Lambda-Klasse Shuttle auf deutsch korrekt übersetzt im Spiel gibt, neu und dann gleich auch noch offensichtlich – siehe Bild –  falsch übersetzt wurde.

20170316_163104Aber lassen wir das. Das traurige negative Highlight ist allerdings ein anderes – der Lightweight Frame / Leichtgewicht-Rahmen aus der TIE Striker / TIE Stürmer Erweiterung.

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Wie man sehen kann, ist der Leichtgewichtrahmen aber mal sowas von daneben gegangen…
Da ist der Einsatzzeitpunkt völlig verdreht worden. Das Original spricht von „When defending…“. Daraus macht die deutsche Version „Sobald du angreifst…“. Sowas ist schon … überraschend.

Hier ist zu hoffen, dass es eine Austausch-Aktion geben wird, denn so ist die Karte unspielbar.

Die Schiffe der Welle 10 und ihre Herkunft:

Die 10. Welle besteht gleich aus fünf Schiffen. Und es ist eine „moderne“ Welle. Das meine ich in zweierlei Hinsicht. Die Modelle einerseits haben eine hohe Produktionsqualität. Zumindest sind sie daraufhin ausgelegt. Andererseits haben die Schiffe ihren thematischen Ursprung in aktuellen Titeln des Franchise.

Gleich vier der fünf neuen Schiffe stammen aus den aktuellen Kino-Produktionen: Der U-Wing (dt. U-Flügler) mit der Stat-Line 3 / 1 / 4 / 4 der Rebellenallianz und der TIE-Striker (dt. TIE Stürmer) mit der Stat-Line 3 / 2 / 4 / 0 haben ihren Ursprung in der Star Wars Geschichte „Rogue One„. Das Upsilon-Klasse Shuttle und der Quadjumper stammen aus dem Film „Das Erwachen der Macht“. Sabine’s TIE stammt aus der animierten Serie Rebels.

Zwei der Modelle sind „große“ Schiffe, d.h. sie kommen auf einer großen Base.

Das sind – warum auch immer – der U-Wing und (nachvollziehbarerweise) das von Kylo Ren genutzte, stark an eine Fledermaus erinnernde, Upsilon-Shuttle.

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Der U-Flügler kann seine Flügel schwenken. Das sieht nicht nur gut am Modell aus, sondern hat auch spielerische Bedeutung. Umgesetzt wird dies mit einer (doppelseitigen) Titel-Karte. Nach der Ausführung eines Manövers darf diese Karte gedreht werden.

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In der Angriffsversion (wie es sich gehört meint das geöffnete Flügel!) erhöht sich die Wendigkeit des Schiffes um einen Punkt. Damit bringt es der U-Wing dann auf stabile zwei Ausweichwürfel.

In der Landeversion darf das Schiff nach dem Aufdecken (!) eines Stehen-Bleiben-Manövers um 180° gedreht werden. Das ist eine neue Mechanik, die richtig viel Spaß macht. Zum Ausgleich hat der U-Wing allerdings keine andere Kehrt-Wende-Option auf seinem Manöverrad. Das macht aber auch nichts. In Form des U-Wings haben die Rebellen nun auch ein Schiff, was auf dem Fleck stehen bleiben kann. Und unter Umständen kann es das sogar besser als die Schiffe des Imperiums oder des Abschaums. Dazu gleich nochmal ein paar Worte.

Das Upsilon-class Shuttle (dt. Shuttle der Ypsilon-Klasse) und der Quadjumper (dt. ebenso) stammen beide aus dem letzten „richtigen“ Star Wars Film „Das Erwachen der Macht„. Mit Sabine’s TIE (dt. Sabines TIE-Jäger) bekommen wir ein weiteres Schiff aus der aktuell noch in der Produktion befindlichen Animationsserie „Rebels„.

Das Shuttle hat eine imposante Stat-Line von 4 /1 / 6 / 6 und ist damit das dritte Schiff im Spiel mit einem natürlichen Primärwaffenwert von vier Würfeln. Damit spielt es in einer Liga mit der Ghost der Rebellen und dem imperialen Phantom. Das Schiff kommt mit sehr interessanten Piloten (unter anderem Kylo Ren selbst, der dem Set allerdings auch als mächtiges Crew-Upgrade beiliegt) und weiteren spannenden Upgrade Karten.

Dennoch erscheint es auf den ersten Blick zu teuer, um dem Lambda-Klasse Shuttle in Turnierlisten den Rang abzulaufen. Bei uns in den Missions- und Casual-Runden wird die Fledermaus eine große Rolle spielen in naher Zukunft. Schon wegen ihres imposanten Aussehens.

20170316_150354Bemerkenswert ist, dass drei der neuen Modelle bewegliche Teile haben. Das sind die beiden vorgenannten großen Schiffe, deren Flügel beweglich sind. Bilder vom U-Flügler gab es ja schon weiter oben zu sehen. Das Shuttle kann die Flügel nach oben nehmen, sieht dann aber nicht mehr so imposant aus. Auch der TIE Striker die Flügel bewegen.

Der Striker hat ein Flügelpaar, welches oberhalb des Cockpits angebracht ist. Dieses Paar kann, wie die Flügel eines Insekts, nach oben gefaltet werden. Da der Striker thematisch für den Kampf innerhalb einer planetaren Atmosphäre gedacht ist, ist das alles ganz stimmig, dass er bewegliche Flügel hat. Könnte ich mir zumindest gut vorstellen. Und das Modell sieht schon auch ziemlich schick aus.
Spielerisch ist der Flieger etwas ungewöhnlich. Die Stat-Line von 3 / 2 / 4 / 0 ist irgendwie untypisch für einen TIE-Fighter. Und auch die Bewegung ist anders angelegt.

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Eine Titel-Karte bzw. ein Pilot liefert dem Schiff eine erzwungene Bewegung vor der Ausführung des Manövers. Damit kann das Schiffchen quasi zu einem TIE Phantom light werden. Es macht die Sache aber auch durchaus anspruchsvoll zu spielen. Sowas gefällt mir ja grundsätzlich ersteinmal.

Lediglich der knubbelige Quadjumper, der auspackt deutlich mehr hermacht, als er es in der Verpackung vermuten lies, und Sabines TIE sind starre Modelle. Der Quadjumper ist sehr solide gearbeitet. Eine typische FFG X-Wing Mini eben. Sabine’s TIE hingegen ist krass gut bemalt. Damit meine ich die Qualität der Bemalung. Nicht jeder Spieler kann mit einem sehr bunten TIE-Fighter etwas anfangen. Aber die technische Ausführung ist sehr klar und sauber. Und mir persönlich gefällt auch die Einfärbung.

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Leider hat die Welle auch Schwächen in der Produktion. Bisher ist mir beispielsweise noch nicht eine Fledermaus begegnet, die sauber und grade auf ihren Stäbchen fliegt. Alle die ich kenne, haben leichte Balanceprobleme. Außerdem fällt mir auf, dass nicht nur die Anzahl der einem Set beiliegenden Karten abzunehmen scheint (*), sondern dass auch die Verpackung im Blister anders wird. So kommen die Spielkarten nicht mehr in einem Einzeltütchen, sondern liegen, wie bei Star Trek Attack Wing, ungeschützt im Beutel mit den Pappmarkern. Bleiben diese in ihrem Stanzbogen ist alles soweit gut. Lösen sich aber – transportbedingt bspws. – einzelne Pappteile, können diese schnell zu verknickten Karten führen. Ich hatte das hinsichtlich X-Wing anders in Erinnerung. Man möge mich an dieser Stelle korrigieren, wenn ich da dem Spiel mehr zugerechnet habe, als es verdient hatte!

(*) Der TIE Stürmer kommt mit jämmerlichen drei Upgrade Karten! Von denen eine auf deutsch auch noch unfassbar falsch übersetzt wurde (s.o.)…

20170316_150644Das Kartenmaterial des TIE-Striker Erweiterungspacks

Auch beim U-Flügler stimmt das Preis-Leistungsverhältnis – zumindest gefühlt – nicht. Es werden rund 30 € für das Set fällig. So schön das Modell auch ist, gefühlsmässig hätte es auf eine kleine Basis gehört und wäre damit im Preissegment eines K-Wings, einer SternenViper oder eines Nebeljägers gelandet. So muss man für ein kleines, wenn auch feines, Modell sehr tief in die Tasche greifen.

Das Spielgefühl und eigene Eindrücke:

Spieltechnisch bietet Welle 10 auch so einiges. Und auch einiges Neues. Das Upsilon Shuttle etwa überführt die Coordinate-Action aus dem epischen X-Wing Spiel in den klassischen 100-Punkte-Dogfight-Modus. Da bin ich noch sehr unsicher, was ich davon halten soll. Und das, obgleich mir der epische oder zumindest missionsbasierte Ansatz bei X-Wing sehr viel mehr liegt, als das 100-Punkte Turnier-Format! Auf jeden Fall öffnet dieser Zug die Tür, um weitere bisher nur im epischen Spiel zu sehende Aktionen in das „kleinere“ Format einzubinden.

Anmerkung: Und kaum habe ich es geschrieben, taucht auch schon die Welle 11 Preview auf. Mit ihr bekommen die Rebellen Zugriff auf die Reinforce-Action!

Die größte Neuerung der Welle hinsichtlich der Spielmechaniken stellt aber sicherlich die Einführung der Conditions dar. Das sind Spieleffekte, die durch Kartenfähigkeiten ausgelöst werden und einem Schiff anhaften. Dies kann zu Spielbeginn der Fall sein oder aber sich im Laufe einer Partie ergeben.

Ich habe es andernorts schon das eine oder andere mal (lobend) erwähnt: FFG ist offensichtlich bereit, über den (eigenen) Tellerrand zu schauen und von den anderen Flight Path Spielen (aus dem Hause WizKids) Dinge zu übernehmen!

Bei den WizKids gab es bereits kurz nach dem Start von Star Trek Attack Wing (STAW) bunte Basen. Zunächst als Preise im dritten Organized Play (OP) Kit des Programms, dann auch als Handelsware.

Jahre später hat FFG nachgezogen und jetzt auch entsprechendes farbiges Zubehör auf dem Markt. Das habe ich damals schon anerkannt. Es ist ja sinnvoll, wenn man vergleichbare Produkte hat, dann voneinander zu lernen. Und im Rahmen von den beiden Attack Wing Spielen (STAW und später Dungeons & Dragons Attack Wing (DDAW)) führten die WizKids auch noch sog. Continous Effects ins Spiel ein. Also Effekte, die von Spielkarten ausgelöst werden und dann einem Schiff bzw. einer Kreatur (zumindest zeitweise) anhaften. Und genau das hält jetzt in Welle 10 mit den Conditions Einzug. Was ich davon halten will, kann ich noch nicht sagen. Aber ich denke, es ist eine Erschütterung der Macht, die wir hier zu spüren bekommen werden. Ich sage voraus, dass diese neue Regelmechanik, insbesondere die „I’ll Show You The Dark SideCondition von Kylo Ren, das Spiel drastisch verändern wird.

Anmerkung: Eine entsprechende Diskussion füllt bereits im Raumhafen von Moseisley mehrere Regel- und Taktikseiten!

Es kommen vier Conditions ins Spiel mit Welle 10: „I’ll Show You The Dark Side!“ (Shuttle), „A Debt to Pay“ (Quadjumper), „Fanatic Devotion“ (Shuttle), sowie „Supressive Fire“ (Sabine’s TIE).  Mehr zu den Conditions gibt es hier.

Der Quadjumper führt außerdem mit Rückwärts-Manövern auch eine Bewegungsform ein, die Star Trek Attack Wing schon seit seiner Starter Box kennt. Das gefällt mir sehr! Der Quadjumper, der auch die Traktorstrahl-Thematik vertieft, ist ein echt lustiges Set. Außerdem hat er in Gestalt des Schmuggelware-Upgrade Scavanger Crane / Bergungskran ein mega starkes Upgrade, mit dem Karten, die bereits abgelegt werden mussten, erneut ausgerüstet werden können, wenn die Umstände stimmen. Super Mechanik. Eventuell sogar etwas zu stark!

Das Ende der Rebellion:
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Für mich ist Welle 10 ein Scheideweg bei X-Wing. Die vorab veröffentlichen Schiffe, der TIE-Stürmer und der U-Flügler waren in ihrer Kartenausstattung so sehr fehlerbehaftet, dass ich mich entschloss, der deutschen Version, zumindest als exklusive Angelegenheit, den Rücken zu kehren. Jetzt steht die komplette Welle 10 bei mir auf englisch im Hangar und ich setze mich damit auseinander, was sie für das Spiel bedeutet.

Nach einigen Spielen mit Teilen der Welle auf dem Tisch, muss ich allerdings zugeben, dass die Schiffe ein Gewinn sind. Der U-Wing macht einfach unglaublich Spaß. Er liefert die Rebellen-Figuren aus dem aktuellen Star-Wars-Streifen Rogue One (Cassian Andor, Jyn Erso usw.) und dürfte alleine deshalb schon seinen Weg in viele Flotten finden. Die Titel Karte mit der Wende-Mechanik macht total Spaß und ich bin am überlegen, ob ein zweiter Flieger nicht sogar Sinn machen würde. Auch das die Rebellen nunmehr ein Schiff haben, was stehen bleiben kann, ist eine nette Entwicklung. Dass man das auch massiv ausbeuten kann, indem man Hera (aus der Ghost Erweiterung) als Crew-Mitglied auf einen U-Wing packt und es damit möglich macht, dass Schiff dauerhaft zu parken, ist vielleicht nicht perfekt, aber sorgt für den einen oder anderen Lacher am Spieltisch, wenn man das erste mal damit konfrontiert wird.

Auch das Shuttle von Kylo Ren hat mir schon zweimal im Einsatz gut gefallen. Einmal auf der eigenen Seite und einemal auf der des Gegners. Ein Pilot erlaubt die Platzierung von eigenen Schiffen zu Spielbeginn außerhalb der eigenen Aufstellungszone. Das macht das Spiel unheimlich dynamisch. Und auch die anderen Piloten sind sehr, sehr stark. Ein spannendes Schiff. Für Turnierspieler sicherlich interessant wegen der „I’ll show you the Dark Side“ Condition Card. Diese wird denke ich viel Einsatzzeit bekommen.

Der Quadjumper und Sabine’s TIE haben beide einzelne Karten, die die Anschaffung rechtfertigen. Beim Quadjumper ist es der Scavanger Crane / Bergungskran. Eine Schmuggelwaren-Karte, mit der man verbrauchte Upgrades zurück ins Spiel holen kann. Bei entsprechendem Spieleverlauf und Würfelglück sogar mehrfach. Eine mega lustige Karte, mit der ich schon so richtig Spaß hatte! (Mehr dazu an anderer Stelle…). Außerdem reizt die Möglichkeit, Schiffe rückwärts fliegen lassen zu dürfen. Dass das Modell ausgepackt mehr hermacht, als es in der Packung vermuten lässt, ist ein netter Nebeneffekt.

Sabine’s TIE hat mit dem EMP Device mindestens eine lustige Karte dabei, außerdem liefert sie ja eine Condition Karte für die Rebellion mit. Und das Set liefert den beliebten Star Wars Charakter Ahsoka Tano als Pilotin. Das wird viele Fans reizen. Und es gibt einmal mehr eine Veteranen Instinkte Upgrade Karte. Das Schiff ist knallbunt, verrückt und passt für mich perfekt zur Rebellen-Allianz. Kann man sich sehr gut zumindest einmal holen, wenn man die Rebellen spielt.

Am TIE Striker scheiden sich bei uns bisher die Geister. Ich bin bisher nur gegen ihn geflogen. Die Mechanik erzwungener Bewegungen, die den Schiffen dieses Typs – zumindest teilweise – zugeordnet wird, macht viel Spaß und macht das Schiff ungewöhnlich beweglich. Dies wird über ein recht limitiertes Bewegungsrad ausgeglichen und eine Stat-Line, die nicht so richtig zu einem TIE-Fighter passen will. Aber irgendwas ist ja immer. Allerdings finde ich hier auch das Preis-Leistungs-Verhältnis mies. Nur drei Upgrade Karten? Echt jetzt?

Überhaupt: es fällt auf, dass X-Wing teurer wird. Die letzten Wellen brachten immer eine Steigerung der Preise mit. Zumindest, wenn man sich im niedergelassenen Fachhandel versorgt und nicht online Schnäppchen schießen geht.

Aktuell hat Weiterspielen erfahren, dass der Zusammenschluss von Heidelberger Spieleverlag und Asmodee dazu führt, dass die Flagschiff-Laden-Bevorzugung was die Einkaufspreise angeht, endet. Damit werden die Schiffe im Laden dann wohl auf normale Preise (UVP) des Herstellers steigen, also 14,95 € für kleine Erweiterungen, sowie 19,95 € für mittlere wie dem K-Wing… Finde ich sehr schade.

Diese Entwicklungen werden wohl dazu führen, dass sich die Weiterspielen-Flotte ab Welle 10 mehr und mehr aus englischen Schiffen zusammensetzen wird. Die Schwächen in der Qualität des deutschen Materials, gekoppelt mit einer Preissteigerung sind mir dann doch etwas zu viel.

Allerdings muss man der Welle zu Gute halten, dass man nicht alle Schiffe in rauen Mengen wird kaufen müssen. Ein bis zwei Striker sollten dick reichen, ein U-Flügler reicht auch. Mehr als einen Rebellen TIE brauchen Fluff Spieler nicht. Und das Shuttle macht zwar optisch in einem Schwarm was her, aber eigentlich reicht auch hier ein Schiff in der Flotte. Immer aus der Sichtweise eines Casual-Spielers. Trotzdem: auch Welle 10 ist ein teurer Spaß und ist kein Selbstläufer mehr wie frühere Wellen.

Dennoch freue ich mich jetzt schon auf Welle 11… Denn X-Wing ist immernoch eines der coolsten Spiele, die ich zur Zeit regelmässig spielen kann.