Star Wars – Imperial Assault: The Bespin Gambit

Star Wars Imperial Assault (IA) stellt mich wiederholt vor ein Problem: Produkte bei Erscheinung auf englisch direkt kaufen (und wenn schon nicht spielen, so doch zumindest direkt haben) oder auf die deutschen Sachen (zum Teil echt lange) warten und dann eine erhöhte Spielbarkeit haben, falls sich nicht (einmal mehr) Fehler eingeschlichen haben bei der Umsetzung des Materials.

Das Dilemma liegt darin begründet, dass ich IA sowohl auf deutsch als auch auf englisch spiele (und sammele).

Ich bin seinerzeit mit der englischen Grundbox eingestiegen, weil sich die deutsche Version immer weiter verzögerte (und mein Kollege hier von Weiterspielen.net sich zügig eine besorgt hatte^^).

Auch wenn ich mittlerweile auch eine deutsche Version mein Eigenen nenne, so bin ich doch zumeist den englischen Erweiterungen treu geblieben. Auch wieder, weil sie früher erscheinen und aus dem üblichen Star-Wars-Thema: den diversen Problemen mit der deutschen Übersetzung (Stichworte: Namen / fehlerhafte Spielkarten…).

Wir haben hier im Blog ja bereits einige der Figuren-Erweiterungen und die erste (englische) Erweiterungsbox „Twin Shadows“ vorgestellt und hier einen Ausblick auf das Grundspiel.

Anmerkung: Anders als bei Star Trek Attack Wing (STAW) unternehmen wir erst garnicht den Versuch, alle Figurenpacks zu besprechen. Wir picken uns aber hier und da welche raus. Insbesondere die großen Packs haben es uns dabei angetan. Und ja, das schließt die Box Sets mit ein 😀

Seit meinem letzten IA-Artikel hier sind mit „Return to Hoth“ und „The Bespin Gambit“ zwei weitere Boxen erschienen.

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Parallel zu den Boxen erscheinen Figuren-Packs, die eben in engem Zusammenhang mit den Sets stehen und in diesen, genauso wie im Grundspiel und bei den „Twin Shadows“ nur als Pappmarker beiliegen.

Zwischen den großen Boxen erscheinen in Wellen zusätzlich noch  Figurenerweiterungen, deren Minis und Spielmaterialien in bestehende Kampagnen eingebaut werden können, aber keinen direkten Bezug haben bzw. haben müssen.

Die Rückkehr nach Hoth“ bringt Vier-Spieler-Regeln für das Gefecht-Spiel und eine komplette neue Kampagne für den Kampagnen-Modus des Spiels. Zu der Box erscheinen mit Princess Leia, den Echo Base Troopers, Dengar und General Sorin vier die Kampagne unterstützende Einzel-Packs.

ia-rth-erweiterungenDie vier Hoth Begleit-Erweiterungen

Anmerkung: Die Hoth-Box liegt seit wenigen Tagen auch auf deutsch vor und wird wohl eine eigene Besprechnung erhalten. Allerdings liegen uns mit Leia und den Rebellen-Truppen der Echo Basis zwei englische Figurenpacks vor.
Diese werden wir im Rahmen einer Hoth-Besprechung genauer beleuchten.

Jetzt machen wir zunächst einen kleinen Sprung nach vorne und gehen auf das Bespin Gambit ein.

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Die Missionen spielen auf Bespin, der Stadt in den Wolken, die unter Administration von Lando Carlrissian steht. Auf dem Cover der „kleinen“ Box springt uns der Kopfgeldjäger Bossk direkt ins Auge.

Genauso wie Lando ist Bossk ein Teil der Kampagne, liegt der Box allerdings nicht bei, sondern erscheint, zusammen mit zwei weiteren Packs, als Begleit-Erweiterung. Dazu erscheinen noch ISB Infiltratoren und Agent Blaise. Das Thema der Bespin-Box ist ganz klar: Spionage! Das zeigt auch schon der im Regelheft (Rulebook) enthaltene „Star-War-Opening-Crawl“-Text deutlich.

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Aber auch die Figuren und ihre Fähigkeiten greifen das Thema auf.

 

bespin-erweiterungenDie vier Bespin begleitenden Erweiterungen

Die Box umfasst neben Bodenplatten, die sehr schöne Szenerien aus der Wolkenstadt zeigen, elf neue Miniaturen. Leider sind Bossk und Lando nicht enthalten, wohl aber zwei neue Helden für die Rebellion.

bespin-inhalt-engl Übersicht über den Inhalt der Bespin Box

Dabei sind die Ithoranerin Murne Rin und der – ein Laserschwert (mit-)führende! – Davith Elso, Codename „Hawkbat“.

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Beide neue Helden spielen sich recht speziell, was auch an ihren Fähigkeiten und Klassen-Decks liegen dürfte. Vom ersten Gefühl halte ich beide für recht starke Figuren. Auch gefallen mir die Minis.

Auf Seiten der Mercenaries tauchen erstmals in IA Ugnaughts auf. Diese Miniatur bekommen wir dreimal. Dazu gibt es noch sechs Cloud City Wing Guards.

bespin-minisDie Minis aus der Bespin Box

Für jede in der Box vorkommende Figur, auch für solche, die dem Spiel nur als Pappmarker beiliegen, gibt es natürlich Spielkarten für die Kampagne, aber auch das Gefecht-Spiel.

The Bespin Gambit – Eine Minikampagne mit neuen Regeln:

Wie schon die Twin Shadows Box zuvor, liefert Bespin einige neue Kampagnen-Missionen (neben einem cool anmutenden neuen Gefecht-Spielplan „Bespin Tibanna Facility„, mit zwei coolen Missionen).

Die Kampagnen-Missionen lassen sich als Side-Missions in eine bestehende „große“ Kampagne einbinden, oder aber als zusammenhängende Mini-Kampagne spielen. Sechs Missionen sind enthalten, die je nach Spielverlauf unterschiedlich kombiniert werden. Alle diese spielen alle auf der Wolkenstadt. Und zwar nach der Zeit als Lando dort Administrator war.

Anmerkung: Bereits in der ersten Mission tritt mit Lando eine Figur auf, die der Box nur als Pappmarker und nicht als Figur bei liegt. Das nervt schon. Muss ich zugeben. Bossk und Agent Blaise kann man im Grunde gleich mitordern, wenn man die Missionen „hübsch“ spielen will…

Da das Thema der Erweiterung verdeckt operierende Einheiten zu sein scheint, bekommen wir hierzu passende neue Spiel-Regeln geliefert. So gibt es eine neue hilfreiche Condition (Zustand): Hidden (inkl. Marker und vier Regel-Karten).

20161113_135657Die Hidden Condition Card

Versteckte Einheiten sind schwerer zu attackieren (Reichweitenabzug für den Gegner!) und fieser wenn sie angreifen (sie erhalten ein zusätzliches „Surge“-Würfelergebnis). Das ist doch schon mal was.

Das Imperium bekommt mit Imperial Black Ops eine neuen Klasse  zum Spielen an die Hand, welche die neue Mechanik auch gleich gut einsetzt. Gleiches gilt für den Ausrüstungs-Stapel und die Klassen-Karten der beiden neuen Rebellen-Helden.

Es gib natürlich auch neue Missionskarten, um die enthaltenen Missionen in einer Kampagne einzubauen und es gibt Agenda-Karten.

Zwei neutrale Aufstellungskarten sowie zwei neue Kommando-Karten (die die Hidden Condition einführen) für das Gefechtsspiel runden den in Bespin enthaltenen Kartensatz ab.

Was mich jedoch an den neuen Regeln – bereits im Vorfeld der Veröffentlichung – am meisten gereizt hat, war die – aus Descent zwar schon bekannte, aber für IA neue – Companion Mechanik.

Spieler können jetzt Begleiter bekommen. In Bespin sind es Droiden.

Anmerkung: Ich bin aber gespannt, was da noch kommt. Vielleicht Ewoks? Oder um Weihnachten rum vielleicht sogar das kleine hehässige Viech aus Jabbas Palast 😀

Es gibt verschiedene Ausgestaltungen (R5-Einheit, Überwachungsdroide…) davon. Eine schöne Idee mit
einer gelungenen Regelumsetzung.

Aber nicht nur die Rebellenspieler profitieren von dieser Idee, nein auch die Ugnaughts haben eine Fähigkeit mit der sie einen „Junk Droid“ unter ihrer Kontrolle ins Spiel bringen zu können. Und der kann richtig weh tun! Somit geht auch der Imperiums-Spieler nicht leer aus.

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Die Companion-Mechanik ist eine richtig schicke Neuerung, die uns Bespin hier liefert.

Die Bespin Wing Guards sind neue GuardiansTrooper Einheiten. Es gibt sie, genau wie die Ugnaughts, in Standard und Elite Ausführungen.

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Keine allzustarken Figuren, aber thematisch passend.

Das Regelbuch umfasst neben der Kampagne auf den vorderen Seiten einige Regelklarstellungen und -neuerungen, bevor man auf den „Star-Wars-Opening-Crawl“-Text stösst, hinter dem die Beschreibung der Kampagnen-Missionen beginnen. Hier finden sich auch die Erläuterungen, die man für die Sonderaktion von Murne Rin braucht, nämlich die Erklärung, was es mit den Punktekosten der einzelnen Figuren auf sich hat.

Die Missionen:
Vom ersten Lesen der Missionen kann man direkt sagen: Es wirkt alles thematisch durchdacht. Das Spionage-Thema zieht sich als roter Faden durch nahezu alle Missionen. Die Ideen hinter den Missionen wirken stimmig. Als Nebenplot können sich die Rebellenspieler noch gegen Sklavenhändler einsetzen. Das finde ich auch super. Da haben die Designer gute Ideen gehabt.

Allerdings ist der mir nicht so sehr gefallen wollende Zeitdruckeffekt für die Rebellenspieler wieder stark vertreten. Jede Mission, so meine ich gesehen zu haben, hat ein Zeitfenster, in dem die Missionsziele erreicht werden müssen. Da bleibst abzuwarten, was das Spielgefühl sagen wird, wenn die Dinger auf den Tisch kommen.

Anmerkung: Spielt man die Abenteuer als Mini-Kampagne bekommt man am Ende einer jeden Mission einen Epilog, der einen in die nächste Mission überführt. Der Flufftext bei den Missionen selbst ist etwas… seltsam. Da gefallen mir die Einführungstexte auf den Side-Mission-Karten deutlich besser. Zum Teil benennen diese Karten gegnerische Figuren, die man in der Mini-Kampagne garnicht vorgestellt bekommt („The Duke“). Finde ich nicht super gelöst. Ich denke, ich werde Bespin zwar als Mini-Kampagne leiten, aber mich dann der Side-Missions-Karten bedienen, um die richtige Stimmung am Tisch zu erzeugen.

Die beiden neuen Skirmish-Missionen lesen sich auch witzig. Man kann einmal besiegte Gegnerfiguren einsammeln und in Carbonite einfrieren. Erst dann erhält man Siegpunkte; während es bei der zweiten Mission darum geht, Tibanna Gas Kannister zu bunkern.

Das Spielmaterial:
Mal anders als sonst, ein Wort zum Material nicht am Anfang einer Besprechung, sondern am Schluss. Hier kommt aber auch nichts überraschendes: Das Material ist super. Insbesondere optisch ist die Erweiterung ein echter Hingucker. Die Wolkenstadt und ihre bekannten Lokalitäten (Catwalk, Carbonite Freezing Chamber…) sind alle vertreten und vermitteln Star-Wars-Flair pur. Die Minis sind in meiner Box alle im Topzustand angekommen und das gilt sogar für Hawkbats Lichtschwert! Die Ithoranerin sieht super aus. Die City Wing Guards und die Ugnaughts sind zumindest ok, wenngleich auch etwas langweilig.

Anmerkung: Ich vermisse allerdings Lando, Bossk, Agent Blaise und, ja, ich gebe es zu, ein paar kleine Minis für die Kompanions. Klar, grade letztere machen als Pappmarker mehr Sinn, da sie sich ein Feld mit einer anderen Figur teilen können, aber trotzdem. Ich denke, ich werde da Spiel mit Modellen aus meiner Star-Wars-Miniature-Sammlung aufhübschen. Grade auch, da viele Missionen Zivilisten auf den Plan rufen. Die lassen sich zwar auch mit Markern darstellen, aber mit Minis wirkt das bestimmt noch besser.


Fazit:
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Mit The Bespin Gambit kommt die zweite der kleineren großen Erweiterungen für Star Wars – Imperial Assault. Die Erweiterung spielt exklusiv auf den verschiedenen Ebenen der Wolkenstadt. Lando kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück, die mittlerweile von imperialen Agenten (Imperiales Sicherheits-Büro = ISB) und Sklavenhändlern kontrolliert wird, zumindest aber unterwandert ist.

Das Spiel liefert neben fluffigen, allerdings allesamt unter Zeitdruck zu bestehenden Missionen, neue Regeleffekte, von denen die Hidden Condition und die Companions direkt überzeugen können. Zwei neue Rebellenhelden, eine Meisterspionin und ein lichtschwertschwingender Geheimagent treten auf den Plan.

Aber auch die Imperiale Seite kommt nicht zu kurz und erhält zwei neue Söldner Einheiten sowie ein starkes Klassen-Deck.

Und Bespin sieht einfach gut aus. Meines Erachtens besser noch als Twin Suns.

Ich freue mich sehr, meine Gruppe auf die Wolkenstadt zu führen und dieses gelungene Produkt einem ausgiebigen Spieltest zu unterziehen!

Anmerkung: Die Hoth Box wird wohl in einem separaten Artikel besprochen werden. Eine Besprechung des (englischen) Bossk Figuren-Packs wird auch noch nachgereicht.

Bilderquelle/Source für offizielle Bilder:

Hoth: https://www.fantasyflightgames.com/en/news/2015/12/23/back-on-the-ice/

Bespin: https://www.fantasyflightgames.com/en/news/2016/6/2/the-shadow-war-begins/