Star Trek Attack Wing – Welle 26 Besprechung: 1. Teil USS Enterprise-B

"Sagen Sie es nicht...! Die Besprechung kommt Dienstag...".

Die U.S.S. Enterprise-B ist das Schiff aus dem „Vorspann“ des Film Star Trek Generations. Dem Star-Strek-Film, der ein Aufeinandertreffen der legendären Captains Kirk und Picard zum Inhalt hatte. Zu Beginn des Films sehen wir den Stapellauf eines weiteren Schiffes mit dem Namen Enterprise; der U.S.S. Enterprise-B, einer modernisierten Version der Excelsior-Klasse.

Anmerkung: Die U.S.S. Lakota aus dem 2015/2016 Blind Booster Brick gehörte auch schon zu dieser modernisierten Version der Schiffsklasse. Im Vorfeld hatten die Fans auf eine angepasste Form des Modells gehofft, doch wurden sie hinsichtlich der Lakota enttäuscht. Es gab einfach nur einen neuen Anstrich in Silber.

Optimisten unter uns Star Trek Attack Wing (STAW) Spielern gaben sich der Hoffnung hin, als sich die Gerüchte verdichteten, dass eine Enterprise-B noch in einer der späteren Wellen des Spiels erscheinen würde, dass hier tatsächlich noch einmal ein neues Modell für das Spiel produziert werden könnte!

Die ernüchternde Antwort wurde mit der Veröffentlichung von Welle 26 gegeben. Und sie lautete (erwartungsgemäß) „nein“. Es gab kein neues Modell.

Dafür aber verschwanden die Erweiterungs-Packs aus den Läden, schneller als man sie kaufen konnte und nur eine winzige Menge von Blistern schaffte es überhaupt bis in den UK-Markt, von dem wir uns ja miternähren. Die gesamte Welle 26 war quasi nicht zu bekommen.

Anmerkung: Weiterspielen gelang es tatsächlich eine Enterprise-B zu bekommen. Wir sind aber an den Reprints der Voyager und Koranak gescheitert. Eigene Artikel zu diesen Erweiterungen werden nachgereicht, für den Fall, dass uns die Blister zulaufen…

Immerhin das neue Schiff der Welle fand sich aber Ende letzten Jahres im heimischen SpaceDock ein und kann nunmehr besprochen werden.

USS Enterprise-B:
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Das Set umfasst neben dem Modell und zwei Bögen Pappe, bedruckt mit dem nötigsten an Markern, 14 Spielkarten. Davon entfallen wie gehabt zwei auf die beiliegende Mission und eine ist eine Regelkarte. Die anderen Karten sind Spielkarten.

Das Papier der Spielkarten ist von ordentlicher WizKids-Qualität. Optisch machen die Karten durchaus etwas her. Das Bildmaterial aus dem Kinofilm scheint einfach hochwertiger gewesen zu sein.

Das Modell:
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Das Modell entspricht dem früherer Schiffe der Klasse und das mir vorliegende ist sauber gearbeitet und mit silberner Farbe angemalt. Einige blaue und rote Applikationen runden die Bemalung ab.

USS Enterprise-B:
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Wie schon gesagt, ist die Enterprise-B eine ganz gewöhnliche Excelsior-Klasse der Föderation, was das Modell angeht. Und auch bei den Spielwerten hat sich nichts getan. Die Enterprise-B kostet 26 Flottenpunkte und hat die Spielwerte von 3 / 1 / 5 / 4.

Das Schiff verfügt über den typischen Action-Bar seiner Fraktion, bestehend aus Ausweichen, Zielerfassung, Scannen und Kampfstationen.

Das Schiff hat ab Werft fünf Upgrade Möglichkeiten zur Verfügung. Drei mal Crew und jeweils einmal Tech und Waffe.

Die Schiffsfähigkeit ist eine defensive. Liegen während der Kampfphase ein Kampfstationen-, blauer Zielerfassungs– oder Scan-Marker neben der Enterpise, darf sie diesen während der Kampfphase gegen einen Ausweichen-Marker austauschen.

Die generische Version ist wieder günstiger (ein Schildpunkt weniger) und verzichtet auf einen der Crew-Slots.

Die Klasse verfügt nach wie vor über einen 180°-Feuerwinkel nach vorne.

Das Personal:
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Gespannt war ich darauf, wie die Designer Captain John Harriman, den vielleicht schwächsten Captain eines Raumschiffes Enterprise in allen Filmen und Serien, umsetzen würden.

Harriman ist ein Skill 2 Captain, ohne Elite-Talent-Slot und für Kosten von einem Punkt. Das passt schon mal ganz gut zur Vorlage. Erinnern wir uns: John Harriman war der Situation, die sich während des Jungfernflugs seines Schiffes ergab, sichtlich nicht gewachsen. Wie und warum dieser Mann das Kommando über ein (Flag-) Schiff der Sternenflotte erhalten sollte, war auf Grund seines Verhaltens im Film nicht nachvollziehbar.

Beim Anflug auf die Lakul und ihr Schwesterschiff, die beide – überfüllt mit Flüchtlingen aus dem von den Borg zerstörten El Aurian System – in einem Energieband – nennen wir es den Nexus – gefangen waren, war Harriman maximalst auf Sicherheit bedacht.

Es dauerte nicht lange, bis er sein Kommando an James Kirk übergab, der als Ehrengast der Indienststellung einer neuen Enterprise beiwohnte. Harrimans Sonderfähigkeit erlaubt, für die Platzierung eines Hilfsenergiemarkers (APT), als freie Aktion die Platzierung eines Ausweich-Markers neben das eigene Schiff. Das passt zumindest ins Bild. Harriman spielt Dinge sicher (Ausweich-Marker) und ist eher schnell gestresst (APT). Würde ich den Captain spielen wollen? Eher nicht, aber mich mögen die Eindrücke aus dem Film auch zu sehr beeinflussen.

Ein Elite-Talent suchen wir vergebens, aber da der Captain des Schiffes keines ausrüsten kann, überrascht die Auslassung nicht wirklich.

Viel Text für einen schwachen Captain. Ein generischer Captain liegt dem Set als zweiter Commander bei. Weitere Captains gibt es nicht.

Und obwol die Enterprise-B gleich drei Crew-Slots zu füllen hat, liegt mit Demora Sulu lediglich eine einzelne Crew-Karte bei.

Demora Sulu ist die Tochter des Enterprise-Steuermanns (und des späteren Captains der Excelsior) Hikaru Sulu. Für vier Punkte steuert sie die neue Enterprise. Man darf sie einmalig einsetzen (discard), wenn man Schaden erhalten hat. Zeitpunkt für den Einsatz ist nach dem Schaden-Zuweisen-Schritt der Kampfphase. Dann darf man mit seinem Schiff ein Manöver von seinem Rad ausführen (Höchstgeschwindigkeit von „3“), um sich aus der Gefahrenzone zu bringen! Ich habe persönlich Schwierigkeiten, einmalig nutzbare Karten sinnvoll einzusetzen. Vom Bauchgefühl her, ist die Fähigkeit nett (zusätzliche Bewegung sind immer was feines, wenngleich zusätzliche Aktionen natürlich stärker sind…), aber mit vier Punkten für den einmaligen Einsatz zu teuer.

Die dem Set beiliegende Waffenkarte ist die zentrale Karte des Sets. Und wieder einmal eine solche, die das Set auch für Mehrfachkäufe prädestinieren könnte.

Die Improved Phasers (IP) erlauben alle zwei Runden einen Primärwaffenangriff mit vier Würfeln in Reichweite 1-3! Alle zwei Runden, da man die Karte mit zwei Time-Token dekorieren muss, nachdem man sie eingesetzt hat.

Doch auch mit dieser Einschränkung gehört diese Karte im Grunde auf jedes Schiff der Excelsior-Klasse, aber macht sich auch extrem gut auf Schiffen der Defiant-Klasse. Jedes kleine Föderationsschiff kann davon profitieren. Die Karte kostet lediglich drei Punkte. Das Ding ist einfach gut. Zumal es keine Einschränkungen gibt, wie oft man sie pro Schiff, geschweige denn pro Flotte spielen darf!

Gleich vier Tech Karten hat das Set zu bieten. Damit wird der einzelne Tech-Slot des Schiffes natürlich ziemlich überfordert. Es verwundert, dass es keine Karte gibt, die dem Schiff Zugriff auf einen zusätzlichen Slot gewährt.

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Drei der Karten, Resonance Burst, Defelector Control und der Holo-Communicator kosten jeweils fünf Punkte. Nur Full Reverse ist billiger und mit seinen zwei Punkten ein Schnäppchen!

Der Resonance Burst (RB) darf während des Schritts „Ziel benennen“ der Kampfphase eingesetzt werden. Die Karte muss abgelegt (discard) werden, zwingt dann aber ein gegnerisches Schiff in Reichweite 1 dazu, einen Ausweichen-, Zielerfassungs-, Scan– oder Ausweich-Marker abzulegen, der neben ihm liegt. Der gegnerische Commander bestimmt welcher Token weg kommt. Sollte das so angepeilte Schiff über einen Tarn-Marker verfügen, so wird dieser auf die rote Seite gedreht. Der RB ist nicht grundsätzlich limitiert, aber je Schiff darf er nur einmal gespielt werden. Für mich zu teuer. Und auch irgendwie am Kern vorbei. In Star Trek Generations setzte die Enterprise-B  einen RB ein, um sich aus dem Nexus zu befreien und nicht um einen Gegner anzugreifen bzw. zu schwächen. Die Karte sieht (auch und grade optisch) zwar hübsch aus, aber überzeugt mich nicht. Schon mal garnicht für einen einmaligen Einsatz, der fünf Punkte frisst.

Etwas besser gefällt mir die Deflector Control (DC) Karte. Diese liefert zwei Einsatzmöglichkeiten. Entweder man gibt seine Aktion aus und lädt dafür einen Schildpuntk wieder auf oder man legt die Karte ab (discard) um bis zu drei zuvor deaktivierte Schildpunkte wieder zu aktivieren. Man fährt also die Schilde zu einem früheren Zeitpunkt wieder hoch, als der End-Phase.

Natürlich darf man diese Aktionen nicht durchführen, wenn man getarnt ist. Die Formulierung „You cannot use this Action if your ship is Cloaked“ und die Auslegung von Karten wie Montgomery Scott aus der Tinyprise Erweiterung legen nah, dass auch das Hochfahren der Schilde durch einen Aktion ausgelöst werden muss. Das macht die zweite Option auf der Karte sehr situativ einsetzbar. Auch hier finde ich fünf Punkte zu teuer, wobei die Aktion einen Schildpunkt aufladen zu können, schon auch wertvoll (und damit zurecht teuer ist!). Kein Schiff darf mehr als eine DC ausrüsten. Aber wer wollte das auch…? Die Karte hat direkten Bezug zur Vorlage und punktet dahingehend wenigstens in der Rubrik „Thematik“ bei mir.

Der Holo-Communicator (HC) stammt offensichtlich aus DS9 und nicht aus Generations und ist damit irgendwie fehl am Platze. Da wäre mir ein weiteres Crew-Mitglied (und mit Chekov, Scotty und ja sogar Guinan oder Soran wären ja noch Optionen aus dem Film vorhanden gewesen…) lieber gewesen. Während der Aktivierungsphase erlaubt der HC die Ausführung der Captains-Aktion eines befreundeten Schiffes in Reichweite 1-2. Dazu muss man die HC aber deaktivieren (disable). Auch diese Karte darf nur einmal je Schiff gespielt werden.

Full Reverse ist die günstigste Karte der vier Tech Upgrades. Man darf sie ausschalten (disable), wenn man ein Rückwärts-Manöver ausführt. Dann darf man das gewählte Manöver um 1-Gradeaus verlängern. Klingt gut, ist hübsch bebildert und passt in die defensive Grundausrichtung dieses Sets. Gefällt mir. Spielerisch kann das rückwärts fliegen schon auch mal richtig Spaß machen. Eine Excelsior-Klasse bewegt sich dann beispielsweise mal direkt mit der 3er-Gradeaus-Schablone nach hinten! Von den vier enthaltenen Tech Upgrades wohl mein Favorit.

Wie seine Begleiter auch, darf Full Reverse nur einmal je Schiff ausgerüstet werden.

Die Mission- Maiden Voyage:
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Die Mission „Maiden Voyage“ ist eine Solo-Mission, die die Ereignisse um Kirks vermeintlichen Tod im Nexus nachstellt. Die mit maximal zwei Crew/Tech Upgrades ausgestattete Enterprise-B muss versuchen, die Crew und die Passagiere der gestrandeten Transportschiffe zu retten, ehe diese oder die Enterprise selbst, Opfer des Energiebandes werden.

Fazit:
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Die Enterprise-B ist ein Pack, den man irgendwie schon aus emotionalen Gründen haben möchte. Die Wahrheit ist allerdings, dass man ihn nicht haben muss. Ein thematisches Set, mit mehr Schwächen als Stärken. Irgendwie scheint es sich an seinem Captain orientiert zu haben 😉

Der Kartensatz ist unter dem Strich zu schwach, um das Set zu feiern. Noch am ehesten lohnt er sich, um eine der Improved Phasers Karten zu erhalten. Weitere nette Karten sind zwar zum Teil enthalten, allerdings sind diese auch sehr teuer. Full Reverse ist schick, aber auch eher ein lustiger Gag, denn eine massiv wichtige Karte.

Das Modell ist – wie zu erwarten war – keine Neumodellierung des Excelsior-Modells, sondern gleicht in Form und Verarbeitung der Blind-BoosterLakota.

So bitter es ist (und so sehr ich mich freue, eine erbeutet zu haben), ist es nicht weiter tragisch, dass man dieses Set nur so schwer in die Finger bekommen konnte. Schlimmer wäre es gewesen, wenn eine Karte wie Guinan enthalten gewesen wäre, die man wohl gerne hätte haben wollen (und sei es der Vollständigkeit halber!) an die man nunmehr kaum mehr kommen könnte. Die Improved Phasers sind echt schön, aber es geht sicherlich auch (weiterhin) ohne sie.

Auf alle Fälle gilt – Weiterspielen. Ob mit oder ohne Enterprise-B. 😀

Am Ende der Besprechung, ein Ausblick auf einige STAW- Silberfische Raumschiffe mit dem Namen Enterprise:

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