Star Trek Attack Wing – Welle 15 – Besprechung – Teil 2: IKS Ning’Tao

Und weiter geht es mit dem 2. Teil der Welle-15-Besprechung.

Die IKS Ning’Tao:
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Im ersten Moment mag sich der geneigte STAW-Fan denken: „Was soll ich mit einem weiteren Bird-of-Prey-Modell der gleichen Bauart? Doch hat diese hier vorliegende Erweiterung den Reiz, dass mit ihr eine bisher nur über das OP Programm erhältliche Klasse, die B’rel Klasse, in den regulären Verkauf überführt wird.

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Darüber hinaus kommt die Ning’Tao mit einem durchaus interessanten Kartensatz und auch darüber hinaus noch mit der einen oder anderen Besonderheit.

Wie schon bei der Prometheus, sind auch hier die Karten anders verpackt, als bei den früheren Wellen und liegen wieder in zwei Blöcke verteilt, quer auf den Pappmarkern.

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Das Modell handeln wir kurz ab. Meines Erachtens hat sich am Modell im Vergleich zu den Vorangegangenen nichts getan. Wenn überhaupt, nur minimalst. Klingonenspieler mögen mich freundlicherweise auf Unterschiede hinweisen, die mir entgangen sind.

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Kommen wir zum Schiff und seinen Karten. Die Ning’Tao ist das Schiff, mit dem sich der alternde Dahar Meister Kor einer Übermacht von Jem’Hadar Schiffen entgegenstellte, die eine Klingonenflotte auf dem Heimweg aus der siegreichen Schlacht verfogte. Durch sein Opfer, und natürlich das seiner Crew, erkaufte er den anderen Schiffen der Flotte – zu der neben der Ning’Tao auch Martoks Ch’tang gehörte – die notwendige Zeit, damit diese den Schutz einer entgegenkommenden Föderationsflotte um die USS Defiant erreichen konnte.

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Die Ning’Tao kostet 22 Flottenpunkte (Spielwerte von 4 / 1 / 3 / 3), verfügt über vier Upgrade Slots (Crew, Waffe, Waffe, Tech) und die für Klingonenschiffe typischen vier Aktionen Ausweichen, Zielerfassen, Tarnen und Sensor-Echo. Die Klasse verfügt über zwei Feuerwinkel, jeweils 90-Grad nach vorne und hinten.

Die Schiffsfähigkeit finde ich richtig stark. Sie passt gut zur Wendigkeit der B’rel Klasse: Nachdem man eine Sensor-Echo Aktion durchgeführt hat, darf die Ning’Tao ein Wendemanöver (Come About) ausführen, d.h. das Schiff um 180 Grad drehen. Das ganze kostet nichtmal eine Aktion, sondern verpasst dem Schiff lediglich einen Auxiliary Power Token (APT), den ein rotes Come-About Manöver auch ausgelöst hätte. Finde ich richtig dufte. Diese Fähigkeit eröffnet dem Schiff eine ungeahnte Beweglichkeit und Flexibilität. Mit dem richtigen Captain an Bord sehe ich hier abgefahrene Möglichkeiten.

Die generische Version der B’rel Klasse büßt einen Schildpunkt und einen Waffenslot ein, kostet 20 Punkte und bleibt damit der etablierten Kosten-Formel treu.

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Die Klasse ist nicht besonders schnell (Höchstgeschwindigkeit von „4“), ist aber sehr wendig, mit nur einem roten Manöver (Come About bei Geschwindigkeit „3“) und weißen 90-Grad-Wenden bei Geschwindigkeit „2“ und „3“.

Das Schiff kommt mit der – meines Erachtens nach noch nie dagewesenen – Anzahl von fünf Captains an den heimischen Spieltisch. Zugegeben, einer davon, Martok, ist auch ein Admiral, aber eben auch ein Captain. Merken wir uns die Zahl fünf und sehen wir uns die großen Krieger des Imperiums einmal genauer an.

Das Personal:
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Martok schlägt mit vier Flottenpunkte zu Buche, ist ein Skill 7 Captain mit Elite Talent Slot und einer Admiralsversion auf der Rückseite (diese gibt einen +1 Bonus auf den Captain Skill). Die Aktion des Captains bzw. die Fleet Aktion des Admirals erlaubt es, bei einem Angriff mit der Primärbewaffnung (s)eines Schiffes einen Zusatzangriffswürfel zu erzeugen, auf Kosten von zwei weniger Verteidigungswürfeln, die in dieser Runde eingesetzt werden dürfen. Dafür darf ein gewürfelter Treffer in einen kritischen Treffer aufgewertet werden. Klingt nicht unspielbar, ist aber von den Martoks die wir bisher haben, sicherlich der schwächste.

In der Admiralsversion kann diese Aktion wie gesagt als Flottenaktion genutzt werden.

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Worf ist ein Skill 4 Captain, ohne Slot und mit einer passiven Defensivfähigkeit. Er wirkt dabei so, wie eine Light-Version des Föderations Enhanced Hull Plating Tech-Upgrades. Wenn man verteidigt, darf Worf bis zu zwei zusätzliche Verteidigungswürfel generieren, allerdings muss er für jeden so erzeugten Würfel einen APT neben das eigene Schiff packen. Für drei Punkte kann man das schon mal ausprobieren.

Dann gibt es noch einen generischen Skill 1 Captain und eine Admirals Regelkarte, ehe wir uns den beiden interessantesten Captains des Sets zuwenden wollen, die eigentlich nur einer sind…

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Die beiden weiteren benannten Captains des Sets sind zwei Versionen, einmal eine junge und einmal eine alte, von einem der größten Klingonenkrieger, Kor!

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Der „junge“ Kor, befindet sich auf dem Höhepunkt seine Karriere, und ist dementsprechend ein hochklassiger Captain (Skill 8), der dann auch gleich stolze fünf Punkte kostet.

Dafür liefert er seinem Schiff ein zusätzlichen Crew-Upgrade-Slot und die passive Fähigkeit, eine Anzahl von Angriffswürfel neu zu würfeln, die der Anzahl an nicht ausgeschalteten Crew-Upgrades entspricht, die sich grade auf dem Schiff befinden. Nicht schlecht, damit spart man sich zum Teil die Zielerfassungsaktion! Aber Kor ist auch kein Schnäppchen für den Preis, muss man doch erstmal ein Schiff haben, was viele Crew Slots hat und dann noch die Crew dazu anschaffen.

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Der „alte“ Kor, hat den Zenith seiner Karriere und Anerkennung bereits überschritten, ist aber nichtsdestotrotz ein Krieger voller Ehre, der bereit ist, sich für eine Kameraden zu opfern. Dies wird auch in seinen Spielwerten (Skill 6, Elite Slot) abgebildet. Insbesondere aber in seiner Fähigkeit. Diese muss mit einer Aktion ausgelöst werden.

Ist Kors Schiff ungetarnt, werden alle gegnerischen Schiffe in Reichweite 1-3 gezwungen, Kors Schiff anzugreifen. Gegen jeden dieser Angriffe darf sich Kor mit zwei zusätzlichen Würfeln verteidigen. Finde ich äußerst thematisch, wenn man an die DS9- Folge Once More Unto the Breach denkt.

Der alte Kor kostet vier Punkte.

Es gibt ein einzelnes neues Elite Talent mit dem schönen Titel Long Live the Empire! (LLTE!).

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Das Talent kostet fünf Punkte. Die Karte ist einzigartig (unique) und kann nur einmal eingesetzt werden (discard) und überhaupt nur von klingonischen Schiffen unter klingonischen Captains ausgerüstet werden.

Setzt man LLTE! ein, darf man bis zu drei zusätzliche Angriffswürfel generieren. Aber diese haben ihren Preis. Und zwar erleidet das eigene Schiff einen Schadenspunkt, für jeden Würfel, den man sich zusätzlich zum Angriff über diese Karte nimmt. Der eigene Schaden darf nach Belieben auf Schilde und Hülle verteilt werden und wird zugeweisen, direkt nachdem der Angriff abgeschlossenen ist.

Ich denke mal, man darf diese Attack auch wirken, wenn sie das eigene Schiff zerstört. Die Frage ist, ob man auch mehr Würfel nehmen kann, als man noch Schild- und Hüllenpunkte hat. Wovon ich nach dem Wortlaut der Karte und dem zeitlichen Ablauf (Würfel wählen –> Angreifen –> Schadenerleiden nach Ende des Angriffs) ausgehe. Damit wäre die Karte eine schöne Last-Resort-Maßnahme und auch auf zu ofernden kleinen Schiffen spielbar.

Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass man nur soviele Würfel und Schadenspunkte nehmen darf, wie noch Trefferpunkte vorhanden sind am eigenen Schiff. Zumindest wenn man sich einige der eigenwilligeren WORF Regelungen anschaut. Man wird hier wohl auf ein WORF Ruling warten müssen oder aber LLTE! am Tisch untereinander – vorab – regeln.

Sollte man – wie ich erwarte – mehr Würfel als verbleibende Trefferpunkte nehmen dürfen, hat das Talent vielleicht eine Daseinsberechtigung auf einem kleinen Schiff. Sonst würde ich sagen, gehört das Ding, wenn überhaupt, auf einem dicken Pott gespielt – Negh’Var- oder Vor’Cha-Klasse, etwas in der Art – um einen mächtigen Bumms zu erzeugen und den Einsatz überleben zu können. Auf jeden Fall ist die Karte spannender, als ich bei der ersten Lektüre dachte.

Ein einzelnes, thematisches Crew-Upgrade, Darok, rundet das Personal der Ning’Tao ab. Darok ist Martoks ins hohe Alter gekommene Berater und einer der wenigen Klingonen an Bord von Martoks Schiff, der Ch’tang, der sich dem Dahar Master Kor gegenüber anerkennend und respektvoll verhält und kostet – wie könnte es anders sein – fünf Punkte.

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Darok ist einzigartig und darf einmalig eingesetzt werden, da er abgelegt werden muss (discard).
Nach dem sich Daroks Schiff bewegt hat, darf man ihn ablegen um eine zusätzliche Aktion als freie Aktion durchführen zu dürfen.

Darok darf nur auf einem Klingonenschiff gespielt werden.

Unter dem Strich finde ich ihn ziemlich, sogar zu teuer, wobei natürlich die Fähigkeit für einen Berater thematisch passend ist und die Aktions-Ökonomie eine der, vielleicht sogar die, größte Schwäche der Fraktion ist. Aber ob der einmalig verwendbare Darok der dann auch noch fünf Punkte kostet, da die Lösung ist, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Es gibt drei weiteren Upgrade Karten, verteilt auf zwei Waffen und ein Tech-Upgrade. Die Waffenkarten sind zu gleichen Teilen alt und neu. Wir haben einmal die altbekannten Photon Torpedoes – für fünf Punkte. Aber wir bekommen auch Strafing Attack.

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Strafing Attack sieht nicht nur optisch als Karte cool aus, sondern ist es auch im Spiel. Zumindest auf den ersten Blick.

Das gute Stück kostet sechs Punkte und erlaubt einen drei Würfelangriff auf Reichweite 1 und darf nicht aktiviert werden, wenn man inder Runde ein Full-Astern Manöver durchgeführt hat. Doch welcher Klingonenkreuzer kann sowas schon…

Wenn die Karte dann noch sechs Punkte kostet, muss die Karte entweder stark sein, oder überflüssig. Ich tendiere bei Strafing Attack zu ersterem. Strafing Attack erlaubt bis zu drei Angriffen, unter den grade beschriebenen Gegebenheiten, mit der Ausnahme, dass die Angriffe zwei und drei auf Schiffe gehen dürfen, die nicht im Feuerwinkel des eigenen Schiffes sein müssen!

Die Karte ist nicht einzigartig und macht die Ning’Tao Erweiterung damit quasi im Alleingang zu einem möglichen Kandidaten für Mehrfachkäufe. Eine Flotte mit mehreren Strafing Attacks könnte eine schöne, weil böse, Überraschung für den Gegner sein.
Ein großes Schiff mit mehreren dieser Karten könnte ebenso eine schöne Überraschung sein. Einzig die hohen Kosten von sechs Punkten und der recht geringe Angriffswert je Angriff sprechen gegen die Karte. Sonst finde ich sie super.

Die letzte Karte des Sets ist ein Tech-Upgrade mit dem wohlklingenden Namen Inverse Graviton Burst. Inhaltlich stammt auch diese Karte ebenfalls 1:1 aus der DS9 Folge Once More Unto the Breach.

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An Bord der Ch’tang, einem Schiff in der von einer Übermacht an Jem’Hadar Attack Fightern verfolgten Flotte, hatte Worf den Plan entwickelt, die eigene Flotte zu retten, in dem er sich mit einem einzelnen Schiff den Jem’Hadar Verfolgern in den Weg stellen, sie mit einem Inverse Graviton Burst (IGB) aus der Warp-Geschwindigkeit zwingen und dann in einen Kampf verwickeln würde.

Die Umsetzung des IGB in STAW Spielelemente gelingt dann auch, wie ich finde, recht stimmig. Die einzigartige Karte darf einmalig (discard) auf Kosten der Schiffsaktion benutzt werden, um jedem anderen Schiff in Reichweite 1-3 einen APT Marker zu spendieren. Gut, dem eigenen auch, aber irgendwas ist ja immer.
Damit werden schnelle (rote) Manöver zumindest für eine Runde unterbunden. Näher kommt man mit dem Regelgerüst nicht ran an den in der Folge beschriebenen Effekt.

Etwas aufpassen muss man beim Einsatz, da das Ding auch eigene Schiffe angeht, aber im Grunde finde ich die Karte spaßig, nicht zuletzt wegen der Thematik.

Was mich stört, ist der hohe Preis. Die Karte kostet – natürlich… – auch fünf Punkte und weitere fünf Punkte werden fällig, wenn man sie für ein NichtKlingonen-Schiff anschafft.

Durch die thematische Begründetheit der Karte, gefällt sie mir richtig gut und hat absolut eine Daseinsberechtigung.

Die Zwei-Spieler-Mission Long Live The Empire! ist der DS9-Folge Once More Unto the Breach  nachempfunden.

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Hier stellt sich ein einzelnes Klingonenschiff (50 Punkte schwer) unter Kor als Captain, einer 100-Punkte Dominion Flotte, in der sich kein Schiff mit Hüllenwert über „3“ und mehr als 25 Punkte Kosten (Jem’Hadar Attack Fighter, ick hör‘ dir trappsen…) befinden darf. Dabei bekommt das Klingonenschiff einige Hilfestellungen (es kann keine ATPs verpasst bekommen bspw. und erhält Bonusverteidigungswürfel). Klingt irgendwie machbar, aber auf dem Papier sind die Missionen ja gerne mal anders, als auf dem Tisch. Muss man mal testen… Wie so viele andere Missionen 🙂

Fazit:
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Endlich eine B’rel Klasse zum Im-Laden-Kaufen. Eine schöne, sehr thematische Erweiterung mit fünf Captains, ok, einer davon ist auch ein Admiral, einer klasse Angriffskarte Strafing Attack und einem netten Tech-Upgrade in Inverse Graviton Burst.

Versehen mit Captain Chang (aus der Chang’s BoP Erweiterung) wird die eh schon coole Schiffsfähigkeit der Ning’Tao eine echte Waffe.

Das Set ist sehr nah an der Folge dran, in der ja auch Martoks Bird-of-Prey, die Ch’tang, eine große Rolle spielt und bietet Klingonensammlern die Möglichkeit endlich einen ausgewachsenen B’rel Schwarm (mit drei unterschiedlichen Schiffchen dieser Klasse!) zu spielen. Es dürfte Spaß machen, das Schiff out-of-the-box, also nur mit dem in der Packung enthaltenen Material zu spielen. Zumindest Spielern, die thematische Umsetzung der Spielstärke vorziehen.

Unterm Strich haben wir hier eine lohnende Erweiterung für die Klingonen, insbesondere für Spieler, die weder die Ch’tang noch den nagelneuen OP-Event-Preis-Raubvogel IKS Korinar haben. Einmal sollte sie schon in die Flotte. Aber bei Licht und ganz nüchtern betrachtet, reicht eine Box dann auch völlig aus, auch wenn die Idee von mehreren Strafing Attacks schon was hätte… 😉