Star Trek Attack Wing – The Collective OP – Hauptpreis: Assimilation Target Prime

Der Hauptpreis des ersten dreimonatigen Borg-Story-Arcs des Organized Play Programs (OP) für Star Trek Attack Wing fiel etwas kleiner aus, als die opulente DS9-Miniatur, der der Gewinner der Dominion War Kampagne mit nach Hause nehmen durfte.

Wenigsten versuchte man mit dem Hauptpreis dem Borg Thema und Titel „The Collective“  gerecht zu werden und spielte eine assimilierte Version eines Föderationsschiffes der Galaxy Klasse aus.

20141102_125603Assimilation Target Prime – OVP

Was auf den ersten Blick noch halbwegs thematisch erscheint, entpuppt sich als ein sehr seltsames Set. Es sind vier Schiffe enthalten, drei davon gehören zumindest zum Teil zur Fraktion der Borg.

20141102_125758 Papp-Inhalt des Preissets

Wie man auf dem Manöverrad erkennen kann, gehört das Schiff in die neue Mirror Universe (MU) Fraktion, die grade dabei ist, Einzug in das STAW Setting zu halten. Dabei denkt man automatisch an die Folgen der Original Serie (TOS) und DS9 die sich mit dem Spiegeluniversum beschäftigen. Vielleicht sogar an die Doppelfolge aus der vierten Staffel von Enterprise.

Das Symbol der Fraktion ist denn dann auch das Emblem des Terranischen Imperiums (Terran Empire).

Doch aufmerksamen Beobachtern wird schnell auffallen, dass eine Galaxy Klasse keine Rolle spielte in den einschlägigen Folgen. Und da fangen die Diskrepanzen auch schon an…

Das Spiegeluniversum als Fraktion:

Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass WizKids unter dem Begriff Mirror Universe, zumindest als Fraktion bei Star Trek Attack Wing, etwas anderes versteht, als die Macher und Fans der Serie(n).

Denn in dieser Fraktion werden die Schiffe aus (vermeintlichen) Parallel– und Alternativ-Universen zusammengefasst.

Weitere Schiffe werden sowohl solche aus dem Spiegeluniversum umfassen (u.a. I.S.S. Defiant, Regent’s Flagship), aber es werden sich auch Schiffe einfinden, die nicht wirklich etwas mit dem Spiegeluniversum zu tun haben (etwa die hier besprochene Assimilation Target Prime oder auch das Resistance is Futile Blind Booster Schiff Prakesh).

Und auch ob die für eine spätere Welle angekündigte U.S.S. Pasteur zu dieser Fraktion gehören wird, oder doch zur Föderation, bleibt abzuwarten.

Die zusammengewürfelte Natur dieser Fraktion, zusammen mit ein paar sehr interessanten und vorallem kostengünstigen Karten, dürften diese Fraktion schnell zu einer etablierten und gerngespielten Fraktion machen.

Da mir persönlich schon das Spiegeluniversum nicht wirklich am Herzen liegt, könnte man ja nun denken, dass mir die Fraktion durch die bunte Durchmischung schmackhaft werden könnte.

Aber irgendwie springt der Funke nicht über.

Ich hätte mir eher eine eigenständige Spiegeluniversums Fraktion und eine ihr gegenüberstehende, eigenständige Alternate Universe Fraktion gewünscht.

Erstere würde sich dann einzig an den Schiffen aus den Spiegeluniversum-Folgen orientieren und dabei klein, unappetitlich, aber meinetwegen spielstark, sein.

Letztere würde (s)ich als eine Art Independent Fraktion verstehen, die ein Sammelbecken für alle anderen Schiffe aus den diversen verschiedenen Realitäten, Dimensionen und Universen darstellen könnte.

Natürlich gelten hinsichtlich der Doppelgänger von Schiffen und Personal eigene Regeln. So dürfen MU-Varianten von einzigartiger Crew und einzigartigen Schiffen neben ihren normalen Gegenstücken in einer Flotte gespielt werden.

20141102_130200Die MU-Referenz- und Regelkarte

 Das Preisschiff-Set

Der visuelle Eindruck:

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Das Modell entspricht in Guß und Grundbemalung exakt der Galaxy-Klasse aus dem Starter Set. Einzig die Borg-Patches sind neu aufgetragen.

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Diese assimilierten Stellen sind dann aber überraschend gut gearbeitet worden und zeigen richtig gehende Strukturen. Wer hier Hand anlegen will, um den Rest des Schiffes aufzuhübschen, sollte echt aufpassen, diese Teile der Bemalung zu erhalten, sie sind tatsächlich ziemlich gut gelungen.

Die Schiffe:

Zunächst gibt es die beiden benannten Schiffe zu sehen, die im Set enthalten sind.

Assimilation Target Prime:

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Das dem Set seinen Namen gebende Schiff, die Assimilation Target Prime, ist ein Borg / Mirror Universe Hybrid Schiff, mit den Spielwerten 5 / 1 / 5 / 4 und der Schiffsfähigkeit, auf Kosten einer Aktion und einer Drone einen Schild- oder Hüllenpunkt zu reparieren.

Die Aktions-Leiste des Schiffes entspricht im Großen und Ganzen der für die Föderation typischen Anordnung.

Allerdings tauscht das Schiff die Kampfstationen Aktion gegen die Borg- Regenerate Aktion aus.

Borg, Tech, Waffe, Waffe, Crew sind die Upgrade Slots.

Das Schiff kostet 30 Flottenpunkte und kann sowohl mit MU als auch mit Borg Karten bestückt werden, ohne dass Fraktionskosten gezahlt werden müssen.

U.S.S. Enterprise-D:

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Die U.S.S Enterprise-MUD verfügt über ähnliche Spielwerte (5 / 1 / 5 / 3) ist aber auf Grund der geringeren Schildstärke zwei Punkte billiger (28 Flottenpunkte).

Warum dieses Schiff nicht die für das Spiegeluniversum typische I.S.S. Präfix Bezeichnung bekommt, wird nicht klar.
Da es sich bei der MUDEnterprise nicht um ein assimiliertes Schiff handelt, bekommt sie auch den normalen Föderations Aktion-Bar mit Ausweichen, Zielerfassung, Scan und Kampfstationen.

Die Aufwertungsmöglichkeiten sind Crew, Crew und Waffe, Waffe, Waffe.

Obgleich dieses Schiff bereits einen natürlichen Angriffswürfel mehr hat, als die Starter Set Föderations Galaxy Klasse Enterprise, ermöglicht die Schiffsfertigkeit einen Bonusangriffswürfel, falls sich der Spieler entschließt, ein aktives Schild zu deaktivieren.

Was weder die Assimilation Target Prime noch die Enterprise-MUD können, ist, auf 360° feuern. Dies hat ihnen die Starter Enterprise-D voraus.

Beide Schiffe verfügen aber über die gewohnten 90°Front– und Rück-Feuerwinkel.

Es gibt noch zwei weitere Schiffe, generische Versionen der grade vorgestellten Schiffe, die, wie üblich, jeweils auf die Schiffsfähigkeit verzichten und einen Schildpunkt einbüßen. Auch bei den Ausstattungsmöglichkeiten werden leichte Abstriche gemacht. Alles wie gewohnt also.

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Diese vier Schiffe der Galaxy-Klasse verfügen über ein erweitertes Manöverrad, wenn man es mit dem der Starter Galaxy vergleicht. Das Schiff ist nunmehr in der Lage, ein 6-gradeaus-Manöver durchzuführen.

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Das Personal des Sets:

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Der Haupt-Captain des Sets ist William T. Riker. Eine Figur, die im Spiegeluniversum der Serienfolgen keinen Auftritt hatte.

Wenn überhaupt, hätte man sich an dieser Stelle doch „Crazy Beard Riker“ aus der TNG-Folge Parallels gewünscht.

Dort taucht durch einen „kleinen Bruch“ der Quantenrealität eine Unzahl von Enterprise-Ds aus alternativen Universen auf. Unter anderem aus einem, in dem die Borg überall wüten und die Föderation überrannt haben.

Diese Enterprise-D, eben unter Captain „Crazy Beard“ Riker, will unter keinen Umständen zurückkehren. Riker spricht dabei den Satz „We won’t go back!“ aus, der dem hier in diesem Set vorliegenden Riker nunmehr zugerechnet und als Captains Elite Talent zur Verfügung gestellt wird. In sich nicht stimmig.

Rikers Spezialfähigkeit ermöglicht das Sammeln von Aktions-Markern und deren Einsatz während der Aktivierungs-Phase. Schon praktisch. Und auch Skill 7 ist nicht schlecht.

Das Elite Talent erlaubt, wenn das Schiff Ziel eines gegnerischen Upgrades wird, dieses Schiff anzugreifen und sich, bei dessen Vernichtung, vor dem Einsatz des Upgrades zu schützen! Schick.

Die generischen Captains sind eine Borg Drone und Rachel Garret.

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Garrett war die Commanderin der Enterprise-C, einem Schiff, das nun wirklich nicht in das Spiegeluniversum gehört, sondern schlicht und ergreifend ein Teil der Vergangenheit der TNG Ära ist. Fail!

Die Upgrade-Karten:

Crew:

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Als einziges Crew-Upgrade bekommen wir eine Mirror-Version von Worf.

Auch von diesem gibt es keinen Auftritt in einer Spiegeluniversumsfolge. TNG und Voyager waren (wie ich persönlich sagen möchte, angenehmerweise) frei von dieser Thematik.

MU-Worf kann geopfert werden (discard) um einem so eben beschädigten Schiff, einen weiteren Schadenspunkt zuzufügen. Kostet vier Punkte. Joa.

Waffen-Upgrades:

Die MU-Fraktion bekommt zwei starke Waffen Upgrades.

Quantum Torpedoes sind schon bekannt und kosten bei der MU-Fraktion sechs Flottenpunkte.

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Spannender, zumindest neuer, ist die Karte Fire All Weapons, die sieben Punkte kostet.

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Fire All Weapons gehörte meiner Meinung nach (zumindest auch) ins Arsenal der Föderations-Flotte und müsste eigentlich auch für Schiffe der Nebula Klasse ohne Strafpunkte (+5 Flottenkosten) ausgerüstet werden dürfen.

Borg Upgrade:

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Regeneration Sequencers ist eine fünf Punkte teuere Karte, die zwei unterschiedliche Reparaturmöglichkeiten beinhaltet. Sie ist eine Hybrid-Karte für die MU / Borg Fraktionen.

Biogenic Charge:

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Für jeden Schaden den man mit dieser einmalig (discard) verwendbaren Karte der Schiffshülle des Gegners zufügt, verliert dieser jeweils ein Crew-Upgrade und das Schiff mit der Charge erhält jeweils einen Drone Token hinzu. Der Angriff erfolgt auf Reichweite 2-3 und zwar mit sieben Würfeln. Kostenpunkt: Stolze acht Flottenpunkte.

Diese Karte ist ein Unikat für STAW bisher, da sie zwei Upgrade Slots belegt (Borg und Waffe).

Damit hat man dann auch schon alles vom Hauptpreis des „The Collective“ Story-Arcs gesehen. Das Set hinterlässt bei mir gemischte Gefühle.

Das Fazit:

Ein „gewöhnliches“ Schiff als Hauptpreis einer mehrmonatigen Kampagne auszuspielen ist, nachdem man zuletzt eine DS9 Station ausgespielt hatte, etwas enttäuschend. Und auch wenn die Borg-Patches (also die assimilierten Partien des Schiffes) gut gemacht sind, so bleibt doch die Grundlage der Bemalung gleich der des Starter Set Schiffes. Und die war ja wenig toll.

Außerdem hatte ich einige Karten in meinem Set, die direkt schon verknickt oder verkratzt waren. Das hat sicherlich mit der WizKids typischen Qualitätskontrolle, aber auch der schusseligen Idee zu tun, die sechs Pappmarker-Bögen sowie den Kartensatz komplett in das Plastik-Inlay zu quetschen, welches sich unter dem Schiff befindet (siehe Titelbild). Wenig schlau das, wo es hier ja Karten trifft, die nur sehr, sehr schwer neu zu beschaffen sind, wenn sie beschädigt, oder gar abwesend sind.

Der Kartensatz zeigt deutlich, dass das MU eine Auffang-Fraktion ist, die auf spielstarke- da extrem auf Angriff ausgerichtete, Schiffe und Fähigkeiten, setzt.

Ich sehe einen steilen Aufstieg der Fraktion vorraus, wenn erst einmal ein paar Schiffe (I.S.S. Defiant, Regent’s Flagship) im normalen Handel erhältlich sindund die Resistance is Futile Blind Booster Karten die Spielerszene in größerer Stückzahl erreicht haben.

Mit den im Prakesh Blind Booster Set enthaltenen extrem billigen Karten wie MUTarnvorrichtung– und Dorsal Weapons Array, lassen sich starke Schiffe der Fraktion bauen.

Auch die Crew-Karten der I.S.S. Defiant scheinen nicht zu verachten zu sein. Hier wird die Zeit zeigen, was sich davon auf Turnierebene blicken lässt.

Wie man schon merkt, bin ich (und werde ich wohl nicht mehr werden) kein großer Freund dieser Fraktion. Und auch mit den Karten will ich nicht so richtig warm werden. Vielleicht auch ein Grund dafür, warum dieser Artikel so lange hat auf sich warten lassen…

Natürlich bin ich als Sammler und TNG-Fan trotzdem froh, das Schiff und seine auf TNG-basierenden Karten, „erbeutet“ zu haben. In unserer Gruppe werden wir vielleicht eine sinnvolle Umsetzung und Verwendung für das Schiff und seine Karten finden. Davon gehe ich zumindest aus. Und wenn ich eine Mission dafür entwerfen muss 😉

Der Ausblick:

Ich werde die Entwicklung der MU-Fraktion im Auge behalten und hier wohl weiter kommentieren.

In den kommenden Wellen bekommen wir ja auch neue MU-Schiffe und auch der nachfolgende Resistance is Futile Story-Arc bringt zumindest ein Blind Booster Schiff aus der Fraktion.

Resistance is Futile:

Der neue Story-Arc geht wieder drei Monate lang und hat erneut die Borg als Thema.

Die Preisschiffe sind (wohl) BorgHybrid Schiffe (Romalaner, Klingonen und Cardassianer) und der Hauptpreis wird ein Borg-Schiff werden. Nicht aber der Oversized Borg Cube. Bedauerlich irgendwie.

Dem neuen Story-Arc, seinen Teilnahme- und Schiffspreisen, sowie den Blind Boostern und dem Hauptpreis, werden wir, je nach dem wie wir das Material an Land ziehen können, eigene Artikel widmen, wie es auch beim letzten Story-Arc gehandhabt wurde.

Bis dahin, viel Spaß beim weiterspielen.