Star Trek Attack Wing – Orassin [Welle 27 – Teil 3]

Das erste reguläre kleine Xindi-Schiff im Handel

Wir schreiben die 27. Welle von Star Trek Attack Wing (STAW) und dürfen vermerken: vorbei sind die Zeiten, als die Xindi-Fraktion nur aus Preisschiffen aus den Organized-Play-Kits (OP-Kits) bestand. Jetzt kommen die Xindi auch in den Einzelhandel!

Zunächst erschien mit dem Weapon Zero Premium Game Piece die große Xindi-Waffe aus dem Staffel-Finale der dritten Season von Star Trek Enterprise und nun hält in Welle 27 auch das erste kleine Schiff Einzug ins Spiel. Die Orassin ist ein Schiffchen der Xindi-Insectoids und damit ein Schwesterschiff zur Diaspora, dem allersten Xindi-Schiff im Spiel (aus dem Temporal Cold War Kit Monat 1).

Die Orassin ist nach einem Verzerrungsfeld benannt, welches die erste Sphäre erzeugte, auf welche die Enterprise in der Delphic Expanse getroffen war.

Das Material:
20170326_12170320170326_121738

Das erste reguläre Xindi Set umfasst 15 Spielkarten (davon 2 Missions- und weitere 2 Regelkarten) und kommt mit lediglich zwei Bögen an Pappmaterial. Es fehlt einmal mehr das Zielerfassungsmarkerpaar. Dafür bekommen wir aber drei Time Token und einen Erinnerungsspielstein für einen Karteneffekt. Naja…

Das sind durchschnittliche Werte für die aktuellen Sets, aber wenn man direkt zuvor die Gr’oth Reprint Erweiterung auspackt und bespricht, fällt es einem gleich wieder doppelt bitter auf, wie sehr hier gespart wird.

Dafür sind die Karten von der Stärke her „in Ordnung“.

Anmerkung: ich setze das in Ordnung in Anführungszeichen, weil ich es im Kontext verstanden haben will. Für WizKids ist die Qualität in Ordnung, auf dem Markt, im Vergleich mit den meisten anderen Verlagen ist sie so lala. Im direkten Vergleich mit den  Fantasy Flight Games Produkten, meh..!

Die Pappe macht mich bei diesem Set nicht ganz glücklich. So sitzt etwa der Bodenmarker der Base nicht wirklich sauber. Aber das kennt man ja schon. Leider.

Die Orassin:
20170326_12185220170326_121903

Die Orassin kostet 20 Punkte und hat die Spielwerte 3 / 2 / 3 / 2.

Die generische Version kostet zwei Punkte weniger und hat einen Schildpunkt eingebüßt.

Die Orassin kann zwei Tech und ein Waffen Upgrade zuladen. Die generische Version verzichtet naheliegenderweise auf einen der beiden Tech Slots.

Als Aktionen stehen der mit einem frontalen 90°-Feuerwinkel ausgestatteten Klasse Ausweichen, Zielerfassung und Kampfstationen zur Verfügung.

Vom Manöverrad entspricht sie der D7 Klasse der Klingonen (z.B. der Gr’oth). Nur ein rotes (Wende) Manöver, Höchstgeschwindigkeit von „4“.

Die Schiffsfähigkeit der Orassin erlaubt es, einen Kampfstationen Marker auszugeben, um einen Angriff zu veredeln. Dann darf man nämlich einen erzielten Treffer zu einem kritischen machen! Kann man unter Umständen mal machen… Ist aber auch nicht atemberaubend.

Das Modell könnte etwas hübscher bemalt sein, ist aber sauber gestaltet und gearbeitet. Grundsätzlich hat mir auch schon die Diaspora gut gefallen und ich war traurig, kein zweites Schiffchen dieses Typs in der Flotte zu haben. Das hat sich jetzt geändert und ich freue mich dran!

Das Personal:
20170326_12191620170326_121935

Der Insectoid Councilor ist ein vier Punkte teurer, mit Elite Talent Slot versehener, Skill 7 Captain der Xindi. Alleine das ist schonmal ein dickes Plus. Skill 7 tut den Xindi – wie den meisten anderen kleineren Fraktionen – gut.

Der Councilor darf eine Aktion ausführen, die sehr offensiv ist. Setzt man die Aktion ein, fügt man sich damit einen Punkt Schaden an Schilden oder am Schiff zu (darf man das wohl frei wählen, falls man noch aktive Schilde hat?), um im Modify Defence Dice Step in dieser Runde beim Gegner (wannimmer er gegen das Schiff des Councilors verteidigt in dieser Runde!) ein erzieltes Ausweichen Resultat eines Würfels auf die blanke Seite drehen.

Würde ich auf einem wackligen Schiff wie diesem nicht spielen wollen. Wenn,  auf dem Weapon Zero Monsterschiff der Fraktion, oder unter Umständen auf der Azati Prime.

Auf jeden Fall eine interessante, weil bisher in der Form meine ich noch nicht dagewesene Aktion. Aber auch ziemlich situationsabhängig. Muss man einfach mal testen.

Es gibt keinen zweiten benannten Captain (das hat sich ja so eingeschlichen), wohl aber einen generischen. Dafür liegen dem Set zwei Elite Talente bei.

Eines davon ist witzigerweise ein Xindi! Da hätte man wohl eher mit einer Verwendung als Crew gerechnet, aber nein, hier bekommen wir den Xindi-Primaten (wie das klingt!) und Degra-Vertrauten Thalen als fünf Punkte teures, einzigartiges Elite Talent.

Thalen fügt – thematisch passend, ist er ja ein (Waffen-) Ingenieur! –  zunächt einen weiteren Waffen Slot zur Upgrade Leiste seines Schiffes hinzu. Packt man auf diesen Slot eine Xindi-Sekundärwaffe, so kostet diese gleich mal zwei Punkte weniger. Nett! Doch es geht noch weiter – beim Einsatz von Sekundärwaffen darf man Thalen ausschalten (disable), um einen zusätzlichn Würfel zu erhalten (bis zu einer maximalen Anzahl von „6“). Das ist auch nicht schlecht. Grade bei Ära-Spielen in der Blaumann-Zeit 🙂 Ich wundere mich halt über die Etikettierung der Karte als Elite Talent. Aber bitte, so kann die Orassin das Talent wenigstens unter Umständen einsetzen. Denn wir erinnern uns: Das Schiff hat keinen Crew Slot – zumindest nicht ab Werk.

Das Elite Talent Xindi Council fühlt sich da schon mehr nach einem Elite Talent an. Es kostet vier Punkte und darf nur von einem Xindi Captain auf einem Xindi Schiff gespielt werden. Macht ja auch irgendwie thematisch Sinn.

Auf der Karte darf man bis zu vier Missions-Marker sammeln. Für jeden Schadenspunkt den das Schiff mit dem Council an Bord erleidet, platziert man einen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Schaden in  den Schilden verpufft, oder die Hülle erreicht. Einmalig darf man diese Marker ausgeben, in dem man – wahlweise bei einem Angriff oder einer Verteidigung – die Karte ablegt (discard) und soviele Würfel neuwürfeln darf, wie man Marker angesammelt hatte!

Damit macht die Karte wohl am meisten Sinn auf den dickeren Schiffen der Fraktion, wie den Aquatic Kreuzern oder dem Weapon Zero, aber spieltechnisch gefällt mir die Karte zunächst einmal gut. Für Turnierspieler dürfte sie wohl etwas zu teuer sein, aber im Gelegenheitsspiel am Küchentisch kann ich mir ihren Einsatz vorstellen.

Anmerkung: Ich habe beim Besprechen dieser Erweiterung das Gefühl bekommen, dass das Spiel komplexer wird. Die Regeltexte zumindest, werden immer länger und umständlicher…

Weitere Upgrades:
20170326_12195920170326_122013

Das Crew-Upgrade des Sets, Insectoid Boarding Party, macht irgendwie an dieser Stelle der Besprechnung (noch) keinen Sinn. Die Schiffe in diesem Set (weder das generische, noch die Orassin) können ein Crew-Upgrade ausrüsten. Dennoch liegt dem Schiff mit der Insectoid Raiding Party ein drei Punkte teures Crew-Upgrade bei. Mal sehen, wie das gelöst werden soll…

Die Boarding Party darf nur einmal pro Schiff gespielt werden (ist damit also auch nicht einzigartig) und kostet fünf Strafpunkte, wenn sie auf einem Schiff gespielt wird, das nicht aus der Xindi-Fraktion stammt. Ein teurer Spaß, der sich allerdings lohnen kann.

Ist man nämlich in Transporterreichweite (Reichweite 1-2) und ist man nicht getarnt, darf man die eigenen Schilde herunterfahren und bei einem gegnerischen Schiff – welches ebenfalls nicht getarnt oder durch aktive Schilde geschützt sein darf – ein beliebiges Upgrade nach Wahl aussuchen – welches maximal fünf Punkte kosten darf – und es ablegen (discard)!

Dazu verbraucht man die Karte (discard) und die Schiffsaktion. Joa. Das kann sicherlich  mega lästig sein. Man kann damit zum Beispiel ein Projected Stasis Field entsorgen. 🙂

Das Tech-Upgrade Hatchery (Kosten von zwei Punkten) geht dann auch das Problem an, dass keine Crew-Slots verfügbar sind. Stattet man ein Schiff mit einer Hatchery aus (und man darf auch nur maximal eine mitnehmen), dann erhält dieses Schiff einen Crew-Slot.

Unter die Hatchery wandert – verdeckt – eine Xindi-Crew-Karte, die dann ausgerüstet werden darf, wenn ein anderes Crew-Upgrade vom eigenen Schiff abgelegt wurde. Den Crew-Slot für dieses Unterfangen liefert dann die Hatchery ja direkt mit. Wie praktisch.

Und schon wird auch die Boarding Party gleich wieder viel interessanter! Anders als bei der Cryogenic Stasis aus der Welle 17 T’ong Erweiterung, gibt es hier zur Zeit wohl keine Beschränkung, was die Xindi-Crew-Karte kosten darf, die man hier quasi umsonst mitnehmen kann. Eine schöne Bescherung, diese Karte! Die Xindi werden dreckiger und dreckiger stärker und stärker! Und die Boarding Party scharrt mit den Hufen Krallen!

Pulse-Firing Particle Cannon (PFPC) und Xindi Torpedos (XT) sind die beiden Waffen-Karten des Sets. Kosten von vier bzw. zwei Punkten werden bei Ausrüstung fällig.

Die PFPC hat eine umfassende Reichweite (1-3) und bringt drei Würfel mit. Damit ist sie – zwar zumindest für Ära- Spiele – nicht uninteressant, aber eher als zu schwach anzusehen.

Immerhin dürfte man die Waffe mehrfach einsetzen (disable) und muss keinen Target Lock ausgeben, um sie zu abzufeuern. Als Bonus darf man einen zweiten Angriff (um einen Würfel reduziert) auf das gleiche Schiff durchführen, wenn man mit dem ersten Schuß des Pulse-Firing Kannönchen getroffen hat! Gegen diesen Angriff verteidigt das getroffene Schiff außerdem mit einem Würfel weniger.

Fies. Allerdings alles im Rahmen, da die Angriffswürfelanzahl ja überschaubar ist. Die Waffe ist auf den vorderen Feuerwinkel einsatzbeschränkt und so Xindi-typisch, dass sie direkt fünf Strafpunkte kostet, wenn man sie fraktionsfremd ausrüsten muss.

Die XT sind ebenfalls einsatzbeschränkt auf den vorderen Feuerwinkel. Die Torpedos liefern stabile vier Angriffswürfel, die in Reichweite 2-3 abgerufen werden können. Die Waffe bedarf einer bestehenden Zielerfassung (discard) und bekommt dann drei Time-Token.

Torpedos gelten grundsätzlich als schlechte Wahl, wenn keine besonderen Umstände greifen. Allerdings könnten die XT eine Ausnahme sein, da sie so günstig sind!

Ich erinnere hier mal an das Elite Talent Ibix Dynasty aus dem Azati Prime Preispack,

20160131_141934Zwei Karten aus dem Azati Prime Preisset

dessen Einsatzvoraussetzung das Discarden einer Sekundärwaffe ist. Mit grade mal zwei Punkten könnten sich die XT da als Opfer anbieten. Um einen Angriff damit zu negieren zu können, wäre das schon mal eine Überlegung.

Die Mission – Detection Grid:
20170326_121356

Die Zwei-Spieler-Mission Detection Grid stellt den zum Scheitern verurteilten „Angriff“ Archers mit dem gestohlenen Xindi Shuttle auf die Xindi-Waffe nach. Naja, zumindest am Rande. Denn eigentlich geht es um die Zerstörung eines Horchpostens auf einem Mond durch die Enterprise und dem daraufhin folgenden Angriff einer Xindi Patrouille auf die NX-01 Enterprise.

Diese muss sich (alleine und nur 40 Punkte schwer!) gegen 100 Punkte Xindi erwehren. Zumindest für vier Runden, bis der gefangene Archer eine Übereinkunft verhandelt hat.

Um das Spiel anspruchsvoller zu gestalten, werden fünf oder sechs Runden als Zeitlimitalternative vorgeschlagen. Je nach dem wie groß das Xindi Arsenal des Angreifers ist, dürfte die Mission doch sehr schnell unangenehm werden für den „Föderations„-Spieler… Aber vielleicht ist das Ding ja sowas wie die Kobayashi Maru Simulation der Blaumann-Ära…

Das Fazit:
20170326_121703

Die Xindi sind eine interessante Fraktion. Die letzte Fraktion, die bis dato ins Spiel eingeführt worden ist, war lange OP-Preis exklusiv. Daran änderte auch im Grunde die kurzzeitige Verfügbarkeit des Premium Game Pieces Weapon Zero nichts. Ohne kleine Schiffe sie zu unterstützen, machte es auch wenig Spaß, die Xindi Megawaffe zu spielen. Doch das ändert sich jetzt.

Mit der Orassin kommt ein stabiles, nettes Set auf den Markt, was die Xindi nunmehr auch einer breiteren Spielerschar zugänglich macht. Mit zwei weiteren Schiffen am Horizont (die Calindra / Welle 28 und die Muratas / Welle 29) wird die Fraktion langsam aber sicher spielbar. Und wenn man die drei OP Schiffe auch noch hat, dann ist sie es sowieso schon.

Die Xindi sind eine interessante Fraktion. Sicherlich die stärkste, wenn man die Archer-Ära betrachtet und wenn man es geschickt anstellt, kann sich die Fraktion auch gegen die großen und moderneren Fraktionen behaupten.

Die Orassin liefert ein paar Karten, die unterstreichen, dass es bei den Xindis um Stärke, aber auch um Tricks geht. Die Boarding Party und die Hatchery sind sicherlich die Gewinnerkarten dieses kleinen, aber feinen Sets, welches in jede Xindi-Flotte gehört.