Star Trek Attack Wing – Die Reinforcement Blind Booster Schiff Besprechung #7: I.K.S. Buruk

Nach der Enttäuschung, dass das neue Schiff der Vor’cha Klasse, auf das die Klingonen-Fraktion seit dem Starter Set wartet, zwar im neuen Blind Booster Brick enthalten sein würde, aber der falschen Fraktion angehört, war es im Grunde klar, dass die Klingonen einen weiteren Bird-of-Prey bekommen würden. Nachdem zuletzt mit der Rotarran ein sehr guter (und regulär erhältlicher!) Neuanstrich des altbekannten Modells an den Start gegangen ist und unter Berücksichtigung der gesteigerten Bemalqualität der bisher vorgestellten Blind Booster Schiffe, darf man wenigstens darauf hoffen, dass das Modell des neuen Blind-Booster-Bird-of-Preys fantastisch aussehen wird.

Das Schiff ist die IKS Buruk, ein Kreuzer der K’Vort Klasse. Die IKS Buruk ist ein Schiff aus Star Trek The Next Generation (TNG). Dort taucht es in der die Nachfolge K’mpecs, des ermordeten Kanzlers des klingonischen Hohen Rates, regelnden Folge „Reunion“ auf. Es transportierte Gowron, den späteren Kanzler, zu einem Treffen mit Picard (in dessen Rolle als Hüter des Nachfolgeritus).

Ein ehrenvolles Schiff also. Umso verwirrender die Personalentscheidungen der Designer hinter dem Schiff.

Doch widmen wir unsere Aufmerksamkeit zunächst dem Modell, bzw. der neuen Bemalung.

Das Modell:
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Das Modell weißt einen weiteren neuen Anstrich auf, der sich auch vor dem bisher besten, dem der Rotarran, nicht zu verstecken braucht. Auch wenn hier ein Wash nicht so aufgebracht wurde, wie bei Martoks Schiff, so überzeugt die neue Bemalung der Buruk auf ganzer Linie. Hier haben wir für mein Dafürhalten vielleicht den bestaussehensten Bird-of-Prey des ganzen Spiels bisher.

Einmal mehr erwische ich mich bei Gedankenspielen, wie das Spiel wohl aufgenommen worden wäre, wenn die WizKids den Bemalstandard, den sie zuletzt und mit diesem Brick gezeigt haben, von Anfang an realisiert bekommen hätten.

20160208_011205Unterseite des Modells

Gut, der Dauerbrenner der „not-to-scale“ Debatte wäre auch damit nicht vom Tisch, aber der andere große Kritikpunkt des Spiels, die mangelnde optische Attraktivität, wäre deutlich schwächer ausgefallen. Und wieder denke ich mir, lieber spät als nie.

Das Set:
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Die Buruk kommt mit vier Pappbögen voller Marker, sie erhält die komplette nötige Ausstattung an Tokens (inkl. Target Lock, Cloak und Evade Token!). Das ist auf jeden Fall schon mal schön – und keine Selbstverständlichkeit in diesem Brick. Doch was erkennen wir mit scharfen Augen: Das ist doch nicht Gowron auf dem Captains-Markern. Auch nicht K’mpec. Nein, das ist doch… Duras?!

Doch zunächst zum Schiff:
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Die Buruk hat die für die K’vort Klasse typischen Spielwerte von 4 / 1 / 5 / 3 und ist damit 26 Puntke teuer und als Trägerschiff (für bisher nicht vorhandene klingonische Jäger…) geeignet.

Die Klasse hat zwei Feuerwinkel, jeweils 90° nach vorne und nach hinten. Die zur Verfügung stehenden Aktionen sind nach wie vor Ausweichen, Zielerfassung, Tarnen und Sensor-Echo.

Die der Buruk zur Verfügung stehenden Upgrade Slots sind Crew, Waffe, Waffe und Tech.

Die Schiffsfähigkeit erlaubt der ungetarnten Buruk an einen zusätzlichen Verteidigungswürfel zu kommen, wenn sich mindestens ein freundliches Schiff in Reichweite 1-2 befindet, wenn die Buruk verteidigt. Das ist zwar eine passiv anmutende Fähigkeit, die allerdings doch etwas kostet. Der Verteidigungswürfel kommt zusammen mit einem Auxiliary Power Token (APT) ans Schiff. Das ist nicht perfekt, aber zur Not sicherlich einsetzbar.

Die generische Version hat nur noch zwei Schildpunkte und verliert einen Waffen-Slot.

Das Personal:
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Und tatsächlich. Da ist er schon. Duras, der wohl hinterhältigste und ehrloseste Klingone den wir kennenlernen durften. Und er kommt mit Gowrons Schiff… Naja.

Duras kostet vier Punkte, darf einen Elite Talent Slot sein Eigen nennen und ist etwas besser als der Durchschnitt der Blind-Booster-Captains, denn er hat immerhin Skill 6.

Duras Captainsfähigkeit ist passend zu seinem Charakter. Er darf beliebige Upgrades opfern (discard) und erhält für jedes so entsorgte Upgrade einen zusätzlichen Angriffswürfel. Das passt, ist allerdings drastisch und nur bedingt einsetzbar. Irgendwann gehen einem naturgemäß die Upgrades zum opfern aus… Trotzdem, sehr thematisch und damit gelungen.

Ein thematisch zu ihm passendes Elite Talent – Dishonorable Tactics – liegt dem Set bei. Dieses kostet sogar nur drei Punkte und ist ziemlich stark. Es erlaubt das beliebige Neuwürfeln von Würfeln beim Angriff.

Die Upgrade-Ablege-Thematik wohnt auch diesem Upgrade inne: So muss ein Schiff in Reichweite 1-2 vom ausspielenden Schiff ein Upgrade ausschalten. Dann darf eine beliebige Anzahl von Würfeln neu gewürfelt werden. Sollte das noch nicht reichen, darf man das eben noch abgeschaltete Upgrade ablegen (discard) um dann eine beliebige Anzahl der so eben neu gewürfelten Würfel ein zusätzliches mal fliegen lassen.

Selten sind Upgrades, die ein zweimaliges Neuwürfeln erlauben, ein prominentes Beispiel ist der Tactical Officer der Romulaner von der Valdore. Damit man nicht übertreibt, muss man die unehrenhaften Taktiken nach ihrem Einsatz ablegen (discard).

Hat man eine entsprechend ausgestattete Flotte dabei, so ist – für drei Punkte – Dishonorable Tactics eine sehr spannende Karte, wie ich finde.

Das Crew-Upgrade des Sets ist Kurak. Kurak ist eine Exotin. Eine brilliante Wissenschaftlerin, die – geboren in ein Kriegervolk – nicht recht wertgeschätzt wird. Ein Umstand, der es ihr nicht leicht machte. Auch sie stammt aus einer TNG Folge („Suspicions„). In dieser Folge geht es um die metaphasischen Schildtechnologien des Ferengi-Forschers Dr. Reyga und dessen Ermordnung. Unter dem Strich ist Kurak eine echte Klingonin. Aufbrausend, aber (halbwegs) ehrenhaft.

Kurak kostet drei Flottenpunkte und erlaubt es, zwei Schildpunkte zu „retten“. Man darf Kurak ablegen (discard) um Schilde, die Schaden auffangen, nicht ab legen zu müssen, sondern sie lediglich auszuschalten (disable). Damit erhält man im Grunde zwei flexibel einsetzbare Schadenspunkte für den Schnäppchenpreis von drei Punkten.

Tolle Karte, die gleich mal fünf Punkte im Preis steigt, wenn man sie auf einem Nichtklingonenschiff spielt. Da Kurak aus einer Folge stammt, in der es um neue Schildtechnologien geht, finde ich die Umsetzung thematisch passend.

Es gibt natürlich auch einen weiteren generischen, kostenlosen Skill-1 Captain der Klingonen. Desweiteren noch die obligatorischen zwei letzten Upgrades eines Booster Schiffes: Ein Tech und ein Waffen Upgrade.

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Targeting Systems bietet für vier Punkte die Möglichkeit, eine freie Zielerfassungaktion in der Aktivierungsphase durchzuführen. Das kann, grade bei der traditionell schlechten Aktionsökonomie der Klingonen, schon mal ganz praktisch sein. Weniger praktisch ist, dass man die Karte dafür ablegen (discard) muss. Das macht es schon zu einem teuren Spass. Die Karte ist nicht einzigartig, aber auf den einmaligen Einsatz je Schiff limitiert. Hier bin ich unsicher, ob die Karte ihren Preis auch wert ist. Gehen wir weiter zur Waffenkarte des Sets.

Der Vorteil einer Attacke aus dem Hinterhalt ist, dass ein Gegner überrascht wird und man seinen Angriff landen kann, bevor der Gegner zur Verteidigung oder sogar zu einem Rückschlag bereit ist. Wie stellt man das am besten an? Genau, in dem man nicht gesehen wird.

Und um nichts anderes geht es bei der einmalig einsetzbaren Karte Ambush Attack! Spieltechnisch wird das abgebildet, indem man, wenn man getarnt ist, zu Beginn der Kampfphase die Karte ablegen darf (discard) und daraufhin als aller erstes Schiff in dieser Runde feuert!  Allerdings „nur“ mit seiner Primärbewaffnung. Trotzdem: eine super Sache! Zumal die Primärbewaffnung bei Klingonen ja zumeist auch eher im hohen Würfelbereich angesiedelt ist.

Gleichzeitig ist die Ambush Attack die klingonische Anti-Fighter Waffen-Karte. Denn richtet sich diese Attacke gegen ein Geschwader, darf dort bei einem erzielten Treffer zusätzlich zu dem normalen Schaden, eines der Squadron Upgrades ausgeschaltet werden (disable). Ein netter Bonus. Aber es ist doch die Grundfähigkeit der Karte, die sie wirklich interessant macht.

Fünf Punkte werden zwar fällig für die Ausrüstung der Ambush Attack – für eine lediglich einmalig einsetzbare Karte ein stolzer Preis – dennoch kann es von unschätzbarem Vorteil sein, wenn man einfach mal so, außer der Reihe, als erster feuern kann.

Da man die Reihenfolge komplett auf den Kopf stellt und verlässt, kann es sogar gelingen, ein gefährliches Schiff mit dieser Karte zu vernichten, ohne dass es zurückfeuern kann! Die Anti-Fighter-Wirkung ist da eigentlich nur ein Sahnehäubchen on-top.

Ein bisschen schade ist es, dass die Karte einzigartig ist. So darf man sie nur einmal in einer Flotte spielen. Trotzdem haben wir hier vielleicht die beste Karte des Packs.

Fazit:
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Die I.K.S. Buruk ist nicht die erhoffte weitere Vor’cha Klasse für die Fraktion der Klingonen. Nein, hier kommt ein weiterer Bird-of-Prey ins Spiel. Das macht aber nichts, so kommen dann vielleicht auch alle Klingonenspieler in den Genuss einer Vor’cha, die ja mittlerweile in Form der I.K.S. Drovana in Welle 24 als regulärer Pack angekündigt worden ist. Mit dem Schiff bekommen wir Duras, Worfs klingonischen Gegenspieler und Mörder seiner Gefährtin K’Eylar.

Das Modell hat einen neuen Anstrich bekommen, der sich auf Augenhöhe mit dem der I.K.S. Rotarran befindet. Der Kartensatz ist gut, aber nicht übermächtig stark. Für Sammler ist sicherlich Duras eine wichtige Karte, spielte er doch eine zentrale Rolle in einigen TNG Folgen und im gesamten Leben von Worf. Die Karten Ambush Attack und Dishonorable Tactics werden, zusammen mit Duras, auch nach einem Turniereinsatz den Weg in die Flotten von Klingonenspielern finden, die eine Buruk ihr Eigen nennen können. Kurak finde ich persönlich auch sehr reizvoll.

Auch dieser Booster enthält eine, zugegeben schwache, Anti-Fighter Waffe, die aber den anderen Waffenkarten dieser Art unterlegen ist. Zumindest hinsichtlich ihrer Wirksamkeit gegen Flieger. Ein schönes Set, was nicht unbedingt durch seine Thematik besticht, sondern eher durch seine Einzelteile. Sicher ein Kandidat für die Plätze 4-7.