Ein Traum wird wahr…

Imperial Assault von FFG erschienen

Ein Dungeon Crawler mit Star Wars-Flair, schicke Miniaturen, jede Menge perfekt gestaltetes Spielmaterial – aber auch ein stattlicher Anschaffungspreis von 99 $ (Empfehlung des Herstellers) – lohnt der Einstieg in ein neues Brettspiel, das sicher alsbald die eine oder andere Erweiterung spendiert bekommen wird?

 

Vor vielen Jahren – ich hatte gerade mal wieder die erste Version von Descent gespielt, dachte ich so bei mir, es wäre doch ziemlich genial, wenn FFG irgendwann mal eine Star Wars-Adaption des Dungeon Crawlers herausbringen würde. Was könnte man da alles an coolen Sachen umsetzen…

Insofern fielen im Laufe des letzten Jahres Weihnachten, Geburtstag und Ostern auf einen Tag, als FFG „Imperial Assault“ ankündigte. Mit jeder Vorschau, mit jedem Informationsfetzen steigerte sich meine Vorfreude auf das Spiel – und nun ist es endlich da. Während die ersten Erweiterungen (Charaktere, Einheiten) noch eine Weile auf sich warten lassen, steht das Grundspiel nun vor mir – und mit meinem tapferen Mitstreiter Cut konnte ich mittlerweile das Einstiegsspiel und den Auftakt zur Kampagne spielen – und muss sagen: Alle meine Erwartungen haben sich erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Natürlich merkt man an vielen Stellen die Verwandtschaft zu Descent 1 und 2, gewürzt mit einer Prise Mansions of Madness, etwas Runebound – und angefüllt mit Bergen von detaillierten Miniaturen, die einen Vergleich mit den Minis beispielsweise von Dust nicht zu scheuen brauchen. Wer des Pinselschwingens mächtig ist, dürfte seine Freude an den Miniaturen haben.

Das Spielmaterial hat die gewohnte FFG-Qualität, soviel kann man festhalten. Für den Zusammenbau des AT-ST benötigte ich zwar etwas heißes Wasser – und das Lichtschwert von Darth Vader hat eine etwas ungesunde Biegung, aber ansonsten… Kein Grund zum Meckern. Ich fasse es kaum, dass ich das schreibe, aber selbst der empfohlene Verkaufspreis von 99 $ ist durchaus gerechtfertigt. Das Spiel dürfte in den Flagship Stores mit 80 bis 90 Euro aufschlagen. Berge von Markern, schön gestaltete Bodenteile, schicke Artworks auf den vielen, vielen Karten, Star Wars-Herz, was willst Du mehr?

Das Einführungsspiel war eine flotte Runde mit leicht herunter gebrochenen Regeln, die Spieler hatten ihren Spaß, selbst die, die die Runde mit „Und wer spielt jetzt Captain Kirk?“ begannen (natürlich nur zur offensichtlichen Provokation der Star Trek-affinen Mitspieler).

Das Spielprinzip dürfte hinlänglich bekannt sein, die Helden bekommen bestimmte Aufgaben, die sie bei der Erkundung eines kleinen oder größeren Spielplans lösen müssen. Ihnen entgegen stehen diverse imperiale Einheiten, Horden von Stormtroopern, Kopfgeldjäger, Royal Guards, ein ausgewachsener AT-ST, ein „Probe Droid“ – also ganz klassische Antagonisten, die jeder Star Wars-Fan im Schlaf benennen kann.

Besonders schön aus meiner Sicht (der zu oft in solchen Spielen die Rolle des großen Antagonisten spielen musste): Es gibt keine lange „Down-Time“ für die Spieler, denn Rebellen und Imperiale ziehen im steten Wechsel. Hat ein Held der Rebellen gezogen, ist eine Gruppe von Minis des Imperialen Spielers dran – und so weiter. Strategisches Planen, wer wann wie aktiviert werden sollte, ist also erste Bürgerpflicht. Ein sinnfreies „Ich mach mal die Tür auf und ziehe weg“ dürfte dann eher den Unmut der Mitspieler auf sich ziehen, wenn als nächstes die Stormtrooper aktivieren – und gleich in dreifacher Ausführung das Feuer eröffnen.

Das erste Kampagnenspiel förderte noch besser die Stärken des Spiels zu Tage. Die Mission „Aftermath“ erfordert von den Helden, mehrere Terminals in einem Imperialen Bunker zu zerstören – und das im Wettlauf gegen die Zeit, denn nach sechs Runden ist Feierabend. Geschicktes Vorgehen ohne langes Verweilen oder Belauern, kein „Wir klappern halt mal jeden Raum ab“, kein „Bevor wir die Tür öffnen, machen wir erst alle Monster platt“ – es geht schnell und spannend zu bereits in dieser ersten Mission. Dass am Ende die Rebellen gewannen, geschenkt. Es war spannend, es war dramatisch – und das Imperium hatte zwar am Ende verloren, aber alles gegeben.

Nun muss man sich das Gesicht des Rebellenspielers vorstellen, als es daran ging, die nächste Mission vorzubereiten. Einkaufen von klassischen Star Wars-Waffen und Rüstungen, verteilen von Erfahrungspunkten und Erwerben von neuen Fähigkeiten – und dann die Wahl der nächsten Mission. Als dem Rebellenspieler klar wurde, dass er als Belohnung Chewbacca als neuen Alliierten gewinnen kann, war eigentlich schon klar, was demnächst gespielt wird.

Ohne jetzt zu sehr in die Details des Spiels eingehen zu wollen, kann ich als Star Wars-Fan und Brettspielfreund nur sagen: Holt Euch das Ding. Mit Imperial Assault hat FFG meiner Meinung nach so etwas wie die Lizenz zum Gelddrucken erworben. Was bereits an Zusatz-Miniaturen angekündigt wurde, aber noch mehr, was als Erweiterungen alles denkbar ist (Schauplätze wie Hoth, Endor, Bespin, Tatooine, ein Sternenzerstörer, der Todesstern, Minis wie Leia, Boba Fett, Bossk, Lando, der Imperator…), der Geldbeutel dürfte große Augen machen angesichts der Möglichkeiten.

Ich kann nur hoffen, dass FFG die Star Wars-Lizenz noch für eine ganze Weile innehat, damit wir an Imperial Assault und all seinen Erweiterungen noch viel Freude haben können.

Den Skirmish-Modus haben wir übrigens noch nicht ausprobiert, ein erster Erfahrungsbericht folgt, sobald wir dazu kamen.