Descent 2.Edition – angespielt

Descent (Zweite Edition) Spielbrett Descent (Zweite Edition) Spielbrett

Zugegeben – ich hatte so ziemlich alle Descent First Edition-Boxen, die auf dem Markt waren, inklusive diverser Leutnants als Zinn-Minis, aber gespielt? Gespielt hatte  ich Descent vielleicht fünf, sechs oder sieben Mal. Das Ärgernis: soviel Spiel und so wenig Zeit. Wenn dann noch eine adäquate Zahl von Mitspielern fehlt, mit denen man regelmäßig die Würfel wirft und man familiär auch noch geplanten Zuwachs erhält, dann reduziert sich die frei zur Verfügung stehende Zeit auf ein so geringes Maß, dass für epische Descent-Runden einfach kein Platz mehr ist. Also wurde die schöne Sammlung einem anderen überantwortet – mehr Platz (für neue Spiele).

Doch dann brachte FFG die zweite Edition von Descent heraus, mit neuen Monstern, neuen Helden, überarbeitetem Regelwerk und dem Versprechen, dass Spielrunden nun weniger als drei bis sechs Stunden dauern würden. Also schlich man immer wieder mal um die schöne, bunte (wenn auch deutlich kleinere) Descent 2-Packung herum, stöberte in Internetforen, las die neue Spielanleitung und merkte, so ganz hat einen die Faszination des Spiels bis heute nicht verlassen. Was also tun?

Glückliche Umstände brachten mich in den (vorübergehenden) Besitz einer deutschen Descent 2-Packung. Zusätzlich war meine bessere Hälfte dazu bereit, mit zwei Helden gegen mich als Overlord in den Kampf zu ziehen.

Also wurde schnell noch mal die Anleitung überflogen, das Spielbrett aufgebaut und die Karten sortiert. Man merkt sofort: Descent 2 hat – im Gegensatz zur ersten Version – den Kampagnen-Modus bereits implementiert. Man muss also nicht auf eine „Wege zum Ruhm“-Erweiterung warten, um mit seinen Helden das Land Terrinoth von allem Übel zu befreien – wie zum Beispiel in der „Höhle des Lindwurms“ (erste Erweiterung, erhältlich), den „Trollsümpfen“ (zweite Erweiterung, bald erhältlich), dem „Labyrinth des Verderbens“ (dritte, große Erweiterung, diese Woche erhältlich) oder dem „Schatten von Nerekhall“ (vierte Erweiterung, englische Version für 1. Quartal 2014 angekündigt).

Schon hier kann man sehen: FFG weiß Spieler bei der Stange zu halten und neue zu werben, bedenkt man, dass neben diesen großen Erweiterungen auch die diversen Leutnants des Overlords alsbald als Minis mit eigenen, fiesen, kleinen Eigenschaftskarten und Sonderregeln erscheinen werden.

Aber nun zum Kennenlernspiel (mit der ersten Mission): Avric Albright und Jain Fairwood wollen den dicken Ettin einen – oder besser zwei Köpfe kürzer machen, bevor zu viele Goblins das Dungeon verlassen haben. Neben dem Ettin und den drei Start-Goblins darf der Overlord zum Ende jeder Runde einen neuen Goblin entstehen lassen – so viel zu den Voraussetzungen.

Die Helden werden noch mit ihrer Startausrüstung versorgt (nichts Weltbewegendes), die beiden Suchmarker werden auf dem Spielbrett platziert – und schon kann’s losgehen. Einige Irritationen beim Overlord entstehen, weil ich zunächst nicht verstehe, wie viele Monster ich aufstellen darf, doch nach kurzem Regelstudium und Blick auf die Monsterkarten ist das schnell geklärt.

Man merkt: Das Spiel ist deutlich schneller geworden, auch wenn viele Spielmechanismen beibehalten wurden. Kampfwürfel, Sonderfertigkeiten, Spielzüge, alles kommt einem irgendwie bekannt vor. Doch die Spielrunden verlaufen deutlich flüssiger, die „Downtime“ für den gerade nicht agierenden Spielpartner ist sehr kurz (okay, bei zwei Spielern ist das auch leicht(er)).

Sehr erfreulich: Selbst absolute Neulinge sind schnell mit den Regeln vertraut, langes Blättern im (wie immer umfangreichen) Regelwerk fallen weg, zumal viele Sonderregeln direkt auf den Karten der Monster oder der Helden abgedruckt sind. Wobei man natürlich insgesamt festhalten muss, dass bei reiner Nutzung des Basisspieles viele neue Regeln und Spielmechanismen aus den Erweiterungen natürlich auch noch nicht implementiert sind. Es bleibt abzuwarten, ob es FFG gelingt, die Erweiterungen so zu gestalten, dass man nicht zu viele zu spezielle Sonderregeln schafft, die das Spiel unnötig in die Länge ziehen.

Auch erfreulich: im Gegensatz zum ersten Descent scheinen in der zweiten Edition die Quests deutlich abwechslungsreicher gestaltet worden sein. Statt „Geh ins Dungeon und töte den Obermotz“ muss man nun Gefangene befreien, Heuballen sichern und viele andere, deutlich anspruchsvollere Aufgaben bewältigen.

Der Overlord frohlockt zudem ob seiner Leutnants, die nun auf dem Spielfeld zum Einsatz kommen (und ja demnächst auch als Figuren inklusive zusätzlicher Spielmaterialien erscheinen). Im Kampagnenmodus kann man diese zudem weiterentwickeln – und so praktisch einen dunklen Widerpart zu den Helden aufbauen.

Kampagnen-Modus / Stufenanstieg

Die Charaktergestaltung erinnert mit ihren Stufenanstiegen übrigens an den Spielmechanismus von World of Warcraft. Auch dort konnte man (allerdings nicht zwischen zwei Abenteuern, sondern innerhalb eines Spieles) nach jedem Stufenanstieg zusätzliche, neue Fähigkeiten erwerben, um stärker, schneller oder einfach besser zu werden. Erfahrungspunkte lassen sich auch aufsparen, um zu einem späteren Zeitpunkt eine noch bessere Zusatzeigenschaft zu erwerben (allerdings muss man erst 2 Karten des nächstunteren Levels erworben haben, also eine Stufe 2-Karte darf man erst nach dem Erwerb von zwei Stufe 1-Karten kaufen).

 

Gravierende Unterschiede im Vergleich zur ersten Edition in der Zusammenfassung (Quelle: www.descent2e.wikia.com)

–          Vereinfachte Regeln für die Bestimmung von Sichtlinien

–          Schnellerer Aufbau der einzelnen Quests

–          Defensiv-Würfel, um die Tendenz, den Erfolg von Attacken auszurechnen, abzuschwächen

–          Kürzere Quests mit vielen nartürlichen Haltepunkten

–          Mehr Karten, die Effekte, Statistiken und Sonderregeln enthalten (statt sie nachschlagen zu müssen)

–          Ein neuer Mechanismus zum Abhandeln der Overlord-Karten und Fähigkeiten (keine Tokens mehr!)

–          Neue Möglichkeiten, seinen Helden individuell zu gestalten

–          Implementiertes Kampagnen- und Stufenanstiegs-System

–          Im Grundset enthaltene Kampagne