Der Eine Ring – Ruinen des Nordens

Sechs DER-Abenteuer in der Umgebung Bruchtals

Es ist noch nicht lange her, da habe ich mich auf gemacht, die Elben in Elronds Haus im Bruchtal zu besuchen. Der Herbst stand in voller Pracht und das Buch passte einfach unglaublich gut zur Stimmungslage. Tolkiens Welt, eingefangen und abgebildet durch das Der Eine Ring (DER) Rollenspielmaterial zog mich das erste mal seit Jahren wieder in seinen Bann.

Während Bruchtal ein DER-Quellen- und Hintergrundbuch ist, das zwar Ansätze zu Abenteuern, aber eben keine fertigen lieferte, ist mit dem Band „Ruinen des Nordens“ ein sechs Abenteuer umfassendes Buch als Begleitband zu Bruchtal erschienen.

 

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich auch dieses Werk einfand. Doch dann kam es, wie es immer kommt: Der Herbst schritt voran, die Arbeit türmte sich auf, der Kollege ging in Urlaub und sonstige Katastrophen bahnten sich ihren Weg ins Leben. Doch, wie Der Eine Ring, rief mich das Buch – auch in diesen Tagen und Wochen – immer wieder zu sich. Nie für lange Zeit, doch immer mal wieder ein paar Minuten am Stück, versenkte ich mich in die sechs Abenteuer, die den Band füllen.

Ruinen des Nordens:

Thematisch absolut passend, sind die sechs Abenteuer, die sich einzeln oder aber auch als eine (sich über mehrere Jahre hin erstreckende) Kampagne spielen lassen, düster. Die Spieler bemerken den aufkommenden Schatten, der sich über die Welt legt. Und das ist auch voll beabsichtigt. Dafür bekommen die Spieler aber auch den vollen Flair der Bücher geboten. Glorfindel und Gandalf, ja sogar Tom Bombadil, eine der vielleicht interessantesten Figuren der Geschichte, die für die Film-Adaption Peter Jacksons komplett getrichen wurde, tauchen in diesem Band (endlich) auf.


Die Qulität des Bandes:

Das Buch ist ähnlich wie Bruchtal mit tollen Zeichnungen versehen und handwerklich absolut überzeugend gearbeitet. Wieder gibt es die schweren Buchdeckel, ein sehr ansprechendes Cover, ein goldenes Lesebändchen und das hochwertige, vollfarbig bedruckte Papier. Allein das Buch in die Hand zu nehmen und aufzuschlagen bereitet schon Freude. Das besagte Lesebändchen ist vielleicht einen Hauch zu kurz für meinen Geschmack. Und die Übersetzungsarbeiten an den Karten sind – ähnlich wie in der Rezension zu Bruchtal festgehalten – teilweise unvollständig ausgeführt.

Auch sind mir einige wenige Buchstabendreher und -auslassungen aufgefallen.

Der Inhalt:

Das Buch liefert Spielleitern sechs spielfertige Abenteuer.

Das erste trägt den Titel „Die Albträume von Angmar“ und führt die Gefährten im Herbst/Winter nach einer Begegnung mit einem ziemlich „heruntergekommenen“ Hügelmenschen-Stamm bis in die alte Stadt des Hexenkönigs!

Die Albträume von Angmar:

Die Kinder eines Hügelmenschen-Stammes sind nach Angmar, genauer gesagt nach Carn Dum, verschleppt worden und die wenigen Überlebenden des Stammes sind zu verängstigt oder zu schwach, den Weg auf sich zu nehmen und einen Kampf gegen die Orcs zu führen. Geschockt von Albträumen brechen die Gefährten gen Angmar auf. An Ihrer Seite agiert eine Führerin, welche die Gefährten schon aus dem DER-Band „Im Herzen der Wildnis“ kennen können. Begleitet werden sie desweiteren von einer schönen Hügelmenschen-Frau und ihrem Leibwächter.

Das Abenteuer ist technisch gut gemacht, ist aber sehr linear aufgebaut. Man schubst die Helden in die Richtung von Angmar. Dort kann es ihnen gelingen die Kinder des Stammes zu befreien, ehe es zu einem Showdown mit einem Totgeglaubten kommt.

Mächtige Monster, rollenspielerische Begegnungen, Kämpfe, aber auch moralisch richtiges Verhalten. All diese Punkte deckt das Abenteuer ab. Die Grundstimmung ist dabei recht düster. Am Ende kann es den Spielerfiguren gelingen, Frieden zu stiften zwischen zwei Völkern und eine lange klaffende Wunde zu heilen. Ein guter Start in den Abenteuer-Band!

Anmerkung: Bereits im ersten Abenteuer gibt es häufige Querverweise auf zwei andere DER-Produkte. Das eine ist naheliegenderweise der Bruchtal-Quellenband. Das andere Buch ist „Im Herzen der Wildnis“. Dessen Besitz erscheint zwar nicht notwendig, aber sicherlich hilfreich, um das Abenteuer zu spielen.

Das zweite Abenteuer wird – bei optimalem Verlauf – auf den letzten Seiten des ersten eingeleitet. Ein Reisender offenbart sich den Gefährten und führt sie nach Bruchtal. Eine beschwerliche, sehr weite Reise, die fast ein kleines eigenes Abenteuer rechtfertigen würde – dieses liefert der Band aber nicht – mündet in der Ankunft in Imladris. Das nächste Abenteuer beginnt in einem Frühjahr und startet quasi von Elronds Haus im Bruchtal!

Es trägt den Titel „Härter als Stein„.

Härter als Stein:

Die Gefährten begleiten eine junge Elbin zu einer uralten und mächtigen Steinbrücke über den Weißquell. Sie soll das Bauwerk nach Witterungsschäden des Winters absuchen. Dort angekommen, entdecken die Gefährten spuren eines Überfalls. Im weiteren Verlauf der Handlung kehrt die Gemeinschaft erst nach Bruchtal zurück, nur um dort von Elrond gebeten zu werden, der Sache auf den Grund zu gehen.

Es stellt sich heraus, dass eine Zwergengruppe von Menschen angegriffen und beraubt wurde. Doch ungewöhnlicherweise waren die Menschen nicht allein. An ihrer Seite (!) kämpften Trolle (!!) und ein seltsames Wesen, „Hauptmann“ genannt, treibt diese ungewöhnliche Allianz des Bösen an.

Elrond ist sehr besorgt und schickt die Gruppe aus, um Erkundungen anzustellen.

Die Heldengruppe nimmt die Verfolgung auf. Und stösst auf eine dunkle Bedrohung und eine mysteriöse Begebenheit.

Unter dem Streich haben wir hier zwar ein Abenteuer, was abermals viel vorgibt, was die Entwicklung angeht, aber total spannend zu lesen ist. Hier haben wir, mit leichten Abstrichen gegen Ende der Handlung, eine super spannende, immer mal wieder mit Überraschungen gespickte Geschichte, die sich quasi aufdrängt, sie mit eigenen Ansätzen immer wieder aufzugreifen und fortzuspinnen.

Ein gutes Abenteuer.

Anmerkung: Zwischenzeitlich ist viel Zeit vergangen, ohne dass es mich nach Mittelerde verschlagen hat, also poste ich den ersten Teil der Besprechung. Nicht zuletzt auch deswegen, da der Verlag mittlerweile das Ende der Reihe auf deutsch bekannt gegeben hat. Ich empfehle also, sich so schnell wie möglich noch einen dieser guten Abenteuer Bände zu sichern!

Wir werden die Rezension bei Gelegenheit fortführen und uns mit der Besprechung des Quellenbandes zu den Reitern von Rohan würdig von Der Eine Ring verabschieden!